Nur der Inflation geht es gut

verfasst von Hubert Roos

Wir können es eigentlich nicht fassen: Obwohl seit Wochen jeden Tag neue Banken gigantische Verluste von mehreren Milliarden Dollar bekannt geben und entweder frisches Geld durch Kapitalerhöhungen einsammeln oder Geschäftsteile verkaufen müssen, erzählen die Zentralbanken, die Regierungen, „Wirtschaftsexperten“ und die gesteuerten Medien das Märchen von der kontrollierten Krise und dass das schlimmste hinter uns läge.

Doch die durch die seit Jahren verheerende Geldpolitik der Notenbanken verursachte galoppierende Inflation macht sich inzwischen weltweit bemerkbar. Die globalen Finanzmärkte taumeln von Krise zu Krise und diese Krisen sind nicht in erster Linie das Resultat eines kapitalistischen Währungssystems. Sie sind vielmehr die Folge eines planwirtschaftlich verfassten weltweiten Papiergeldsystems. Ganz gleich ob US-Dollar, Euro, Yen, britisches Pfund oder Schweizer Franken: sie alle repräsentieren nicht-einlösbares Papiergeld, das von staatlichen Notenbanken kontrolliert wird.

Über Jahrhunderte und Kulturen hinweg war für die Menschen Gold, zuweilen auch Silber, das beste Geld. Erst mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 ging die Phase des freiwillig gewählten Goldstandards, in der es zu einem bisher nicht gekannten Aufblühen des Welthandels gekommen war, jäh zu Ende. Man ging vom Golde ab, nicht etwa weil es nicht funktioniert hätte, sondern weil wertbeständiges, durch Gold oder Silber gedecktes Geld der Finanzierung der Kriegsführung im Wege stand. Alle späteren Versuche, den Goldstandard wiederzubeleben, scheiterten. Das System von Bretton Woods, das das internationale Währungssystem für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Ordnung bringen sollte, war nur ein halbherziger Versuch, den Goldstandard wiederzubeleben.

Mit dem Ende der Eintauschpflicht des US-Dollar in Gold am 15. August 1971 wurden die letzten Überbleibsel des Goldstandards beseitigt, und die Epoche des Papiergeldes brach an. Das Papiergeld brachte unerträglich hohe Inflation zu Beginn der Siebziger- und Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Heute sind wir an einem Punkt, an dem das Papiergeldsystem kurz vor dem Kollaps steht.

Das Misstrauen gegenüber den Banken und die Ahnung von den wahren Gründen der Preissteigerungen – die hemmungslose Papiergeldvermehrung – führen dazu, dass Investoren dem Gerede von der rosigen Zukunft keinen Glauben mehr schenken. Vor zwei Monaten – im März 2008 – warnten die Bosse der Finanzwelt vor der Gefahr einer Krise, die schlimmer sein könnte als die Weltwirtschaftskrise 1929. Nur wenige Wochen später mit einigen hundert Milliarden frischem Kapital (Papiergeld) wollen sie alles wieder unter Kontrolle gebracht haben.

Diese Versuche, die Anleger/Investoren zu beruhigen, werden dazu führen, dass die Menschen in ihrem Misstrauen bestätigt werden und immer stärker das Vertrauen in die Entscheider in Politik, Wirtschaft und den Finanzmärkten verlieren. Von den Wirtschaftsführern, die wegen ihrer überzogenen Gehälter heftig kritisiert werden und von den Politikern, die sich selbst ihre Diäten erhöhen wollen und unter dem Druck der Öffentlichkeit wieder auf eine Erhöhung verzichten, wird keine ernsthafte Hilfe bei der Bekämpfung der Krise erwartet.

Wenn allgemein wieder die Erkenntnis gedämmert haben wird, wie trübe die Wirtschafts- und Finanzaussichten in Wirklichkeit sind, wird die Krise wegen der Enttäuschung der Sparer und Investoren die Finanzmärkte noch verheerender treffen. Die Wertverluste vieler Anlageklassen, die sich in der euphorischen Stimmung der letzten Wochen zu erholen schienen, werden sich beschleunigen. Gold und Silber werden nach immer wieder erforderlichen Verschnaufpausen ihren Weg nach oben weiter unbeirrt gehen.

©2008 Hubert Roos SilviOr GmbH

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