Endspiel
Der folgende Artikel erschien im Jahr 2003 in “Gold-Boom” und zeigt den Fahrplan auf dem “Highway to Hell”.
Innerhalb von nur zwei Jahren hatte es die Regierung unter George W. Bush geschafft, durch Steuersenkungen und großzügige Förderprogramme einen Haushaltsüberschuss in ein Defizit von noch nie da gewesenen Ausmaßen zu verwandeln. Die meisten Amerikaner hatten der Staatsverschuldung lange Zeit wenig Beachtung geschenkt, obwohl die große Leuchttafel an einer Hauswand nahe dem Times Square in New York für jeden sichtbar von Sekunde zu Sekunde das Schuldenwachstum des Landes zählte. Das amerikanische Staatsdefizit wuchs zeitweise so schnell, dass die letzten Ziffern auf dem Leuchtschild nur noch verschwommen zu sehen waren. An einem Freitag im September 2003 zeigte die Schuldenuhr: „Unsere nationalen Schulden: $ 6 913 377 817 326. Ihr persönlicher Anteil: $ 74 374.“ Noch keine Regierung hatte jemals zuvor in so kurzer Zeit die Staatsfinanzen in solche Unordnung gebracht. Binnen zweieinhalb Jahren waren aus einem Überschuß von 237 Milliarden Dollar ein Minus von über 400 Milliarden geworden – die Kosten für den Irakkrieg nicht eingeschlossen (17).
Die wachsende Verschuldung zieht einen ständig steigenden Anteil der Zinslast am Gesamthaushalt des Staates und der Gemeinden nach sich. Irgendwann ist die Zinslast für die Schuldner so hoch, dass keine freien Mittel mehr für weitere Zinszahlungen oder gar für Rückzahlungen zur Verfügung stehen. Die Staaten verlassen sich darauf, dass die zunehmende öffentliche Verschuldung mit zunehmender Inflation gegenentwertet wird, dass also die Last der Schulden durch eine Verminderung des Geldwertes gesenkt wird. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb die Politiker und Notenbanker das Deflationsgespenst mit allen Mitteln vertreiben wollen. In einer Deflation wird der Geldwert nicht verringert, sondern erhöht und damit können sich die Kräfte zur Entschuldung nicht entfalten. Ab einer bestimmten Verschuldungshöhe gibt es allerdings nur zwei Möglichkeiten für einen Staat. Entweder er macht immer schneller immer höhere Schulden, indem er sich von der Notenbank neues Geld auszahlen lässt, bzw. neue Anleihen begibt, wodurch das bereits vorhandene Geld immer weniger wert wird. Oder er zahlt keine Zinsen mehr und nimmt keine neuen Kredite mehr auf, was letztendlich zum Bankrott führen würde. Beide Möglichkeiten würden höchstwahrscheinlich zu einer Währungsreform führen. Danach würde man für die Altschulden einen Vergleich mit den Gläubigern anstreben. Der Staat hätte eine erhebliche Teilentschuldung erwirkt, die Bürger wären sozusagen teilenteignet worden (18).
Die meisten Käufer von Staatsanleihen haben sich darüber noch keine großen Sorgen gemacht, da der Staat – ganz gleich ob Deutschland oder die USA – immer noch als zuverlässiger Schuldner gilt. Die Mehrheit der Anleger vertraut darauf, dass die Politiker und die Notenbanker alles unter Kontrolle haben. Wenn aber einmal ein kleiner Misstrauensfunke überspringt, kann es sehr schnell passieren, dass private Anleger ihre Gelder dem Staat nicht mehr überlassen wollen. Eine Vertrauenskrise könnte sich heutzutage sehr schnell in eine Finanzkatastrophe verwandeln. Innerhalb von Sekunden können Investoren auf elektronischem Weg ihr Kapital abziehen, wenn ein Staat ein außergewöhnliches Defizit veröffentlicht. Andere Weltregionen können infiziert werden, wenn plötzlich die Meinung aufkommt, dass die Entwicklung zweier Länder ähnlich verläuft oder verlaufen könnte. So kann eine kleine politische Fehlentscheidung in einem Land zu Kapitalflucht und Wirtschaftskrisen in Ländern eines anderen Kontinents führen.
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass bei sich anbahnenden Krisen Gold immer stärker nachgefragt wird. Sein Wert wird voraussichtlich stark steigen und es ist dann eines der sichersten Vermögensaufbewahrungsmittel, wenn man physisches Gold in Form von Barren oder Münzen besitzt. Wenn die Papierwerte wie Anleihen, Aktien, Zertifikate, Bargeld etc. an Wert verloren haben werden, wird Gold seinen Eigentümer in die Lage versetzen, überall bezahlen zu können und neue, lukrative Investitionen zu tätigen, wo die Krise günstige Gelegenheiten geschaffen hat.
© Hubert Roos, “Gold-Boom, Gewinne und Sicherheit mit Gold”, Börsenmedien AG Kulmbach 2003