Gold 2010: Hinter den Kulissen – Teil 3
In insgesamt drei Episoden widmet sich Silvior-Chef Hubert Roos der Frage, welche Geschehnisse hinter den Kulissen den Goldpreis zukünftig beeinflussen dürften. Auf die Frage, weshalb Gold in den letzten Jahren so stark an Wert gewonnen hat und sich auch in Zukunft sehr positiv entwickeln wird, werden immer wieder mannigfaltige Gründe und Argumente geliefert. Dazu zählen steigende Rohstoffpreise im Allgemeinen, die Sorge vor einer anziehenden Inflation bis hin zu Ängsten vor einer Hyperinflation, geopolitischen Risiken oder der Angst vor einem Dollar-Crash.
Die ersten beiden Teile dieser Serie erschienen bereits vor zwei bzw. einer Woche und können hier nochmals aufgerufen werden:
Episode II
Episode III
Im Laufe der Zeit kamen weitere Indizien und Aussagen hinzu, welche die GATA-Theorie plausibel erscheinen lassen. Nach offiziellen Angaben haben die Federal Reserve und das US-Finanzministerium ihre Hände nicht im Spiel, wenn es um Gold geht. Nach öffentlichen Aussagen hingegen kann man das Gegenteil annehmen.
Alan Greenspan selbst bestätigte in einer Rede vor hohen Finanzbeamten im Juli 1998 Interventionen zugunsten eines starken Dollars und eines gezügelten Goldpreises: „Die Zentralbanken stehen bereit, Gold in zunehmenden Mengen zu verkaufen, falls der Preis zu stark steigen sollte“. Später erläuterte er diese Aussage in einem öffentlich gewordenen Brief an Senator Joseph Lieberman: „Diese Beobachtung beschreibt lediglich die begrenzten Möglichkeiten privater Stellen, den Goldmarkt über eine Drosselung der Nachfrage zu beeinflussen, wenn man die zu beobachtende Bereitschaft einiger ausländischer Zentralbanken – nicht der Federal Reserve – in Betracht zieht, Gold als Reaktion auf Preissteigerungen zu verleihen.“
Dies dürfte ein klarer Beweis aus dem Munde des damaligen Fed-Vorsitzenden sein, dass Zentralbanken im Goldmarkt intervenieren, auch wenn Greenspan in dieser Aussage eine Beteiligung der amerikanischen Zentralbank verneinte.
Weitere Unterstützung für die Interventions-/Manipulationstheorie des Goldpreises durch die Zentralbanken leitet GATA aus dem Zusammenhang mit dem ersten Washingtoner Goldabkommen ab. Am 26. September 1999 wurde dieses Abkommen von der Europäischen Zentralbank (EZB) und 14 europäischen Zentralbanken, einschließlich der Bank of England, unterzeichnet. Inhalt des Abkommens war es, ihre Goldverkäufe und Leihaktivitäten für die folgenden fünf Jahre zu limitieren auf 400 Tonnen pro Jahr - insgesamt also 2.000 Tonnen über diesen Zeitraum.
Eingeschlossen in diese Regelung waren die noch verbliebenen 365 Tonnen der Bank of England, die aus dem Anfang des Jahres angekündigten Gesamtvolumen von 415 Tonnen noch nicht verkauft waren. Ziel dieses Abkommens war es, den Goldpreis im Vorfeld der Euro-Einführung zu stabilisieren. Als Folge dieses Abkommens schoss der Goldpreis, nachdem diese Angebotsverknappung publiziert war, von 270 US-Dollar auf 325 Dollar pro Unze nach oben. Dies war nun sicherlich ein nicht beabsichtigter Effekt.
Zwar wollten die beteiligten Länder einen stabilen Goldpreis, aber sie wollten keinen hohen Goldpreis, denn damit hätten sie sich möglicherweise sehr große Unannehmlichkeiten eingehandelt. Was sie auf keinen Fall wollten, war ein Zusammenbrechen des Gold-Carry-Trades und des Leihgeschäfts durch plötzlich gestiegene Kurse. Dies geschah auch nicht, denn in der Folgezeit fiel der Goldkurs durch untereinander abgestimmte Aktionen der Zentralbanken wieder auf das Ausgangsniveau zurück.
Daraufhin verklagte der amerikanische Anwalt Reginald Howe im Jahr 2001 den damaligen amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan, die Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) sowie fünf renommierte Geschäftsbanken, darunter JPMorgan Chase, wegen unerlaubter Preisabsprachen im internationalen Goldhandel zur Drückung des Goldpreises. Während des Prozesses sagte der damalige Gouverneur der Bank of England, Sir Edward George, folgendes aus: „Wir standen da und schauten in den Abgrund, falls der Goldpreis weiter gestiegen wäre. Ein weiterer Anstieg hätte einige Handelshäuser in den Abgrund gerissen und dies hätte möglicherweise alle anderen mitgerissen. Daher mussten die Zentralbanken den Goldpreis drücken – koste es was es wolle. Es war sehr schwierig, den Goldpreis unter Kontrolle zu bekommen, aber schließlich waren wir erfolgreich. Die US-Notenbank war sehr aktiv, ebenso wie Großbritannien.“
Für GATA sind dies eindeutige Manipulationsbelege. Die nächste Frage ist dann, welche Dimensionen diese Manipulationen einnehmen. Diese Frage ist aufgrund der wenig transparenten Bilanzierungsmethoden der Zentralbanken für Gold nicht ganz einfach und eindeutig zu beantworten. Die Analysten von Cheuvreux haben die Recherchen verschiedener Experten, die sich intensiv mit der Manipulationsthematik auseinander gesetzt haben – wie Frank Veneroso, James Turk, Reginald Howe – sowie das Datenmaterial der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass es sich um eine Größenordnung von mindestens10.000 bis möglicherweise 15.000 Tonnen Gold handelt, das in den Büchern der Zentralbanken steht, aber nicht mehr in ihren Tresoren liegt.
Das ist ein gutes Drittel bis fast die Hälfte der gesamten Zentralbankbestände weltweit. Wenn diese Nachricht ihre Runde in Anlegerkreisen macht, gibt es für den Goldkurs keine Fesseln mehr, denn damit wäre das verbliebene Gold nicht nur ein Drittel oder die Hälfte mehr wert, als bei der augenblicklich angenommenen Menge. Bereits eine Verknappung von 10 Prozent könnte ausreichen, den Preis eines Rohstoffes oder einer Ware zu verdoppeln. Ein Minderbestand von einem Drittel bis gar der Hälfte des Volumens kann ungeahnte Preisbewegungen auslösen. Bei dem momentan zu beobachtenden weltweiten Liquiditätsüberschuss könnten in kürzester Zeit immense Geldbeträge bewegt werden, um das verbleibende wenige Gold aufzusaugen.