Gold 2010: Hinter den Kulissen

In insgesamt drei Episoden widmet sich Silvior-Chef Hubert Roos der Frage, welche Geschehnisse hinter den Kulissen den Goldpreis zukünftig beeinflussen dürften. Auf die Frage, weshalb Gold in den letzten Jahren so stark an Wert gewonnen hat und sich auch in Zukunft sehr positiv entwickeln wird, werden immer wieder mannigfaltige Gründe und Argumente geliefert. Dazu zählen steigende Rohstoffpreise im Allgemeinen, die Sorge vor einer anziehenden Inflation bis hin zu Ängsten vor einer Hyperinflation, geopolitischen Risiken oder der Angst vor einem Dollar-Crash.
Episode I

Während alle diese Punkte sicherlich zutreffend sind und jeder von ihnen eine Rolle in der Kursentwicklung der letzten Jahre gespielt hat, wurde und wird bisher immer noch der wichtigste Kernpunkt in der öffentlichen Diskussion ausgespart: die Zentralbanken Europas und der USA als größte Player am Goldmarkt haben inzwischen fast die Hälfte ihrer Goldreserven veräußert und die breite Öffentlichkeit weiß davon nichts.

Nach offiziellen Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) lagern in den Tresoren der Zentralbanken rund 31.000 Tonnen Gold, aber in Wirklichkeit sind es deutlich weniger. Die größten Positionen halten nach Angaben des IWF die USA mit über 8.000 Tonnen, was rund 68 Prozent ihrer Währungsreserven entspricht. Deutschland steht mit gut 3.400 Tonnen an zweiter Stelle und deckt damit über 50 Prozent seiner Währungsreserven ab.

Die Problematik der heutigen Situation am Goldmarkt liegt in den 1980iger Jahren begründet. Damals begannen die Zentralbanken, Teile ihrer Goldbestände an große Banken und Investmentbanken, die im Goldgeschäft tätig waren – so genannte Bullion-Banken, zu verleihen. Dazu zählten beispielsweise Deutsche Bank, Barclays Bank, UBS, HSBC-Bank, JPMorgan Chase, Goldman Sachs oder die Citibank.

Der Sinn und Zweck dieses Handelns lag darin begründet, dass die Zentralbanken mit ihren Goldbeständen Geld verdienen konnten, weil sie für das Verleihen eine Gebühr verlangten. Damals lagen die Zinsen für die Goldleihe bei 1 bis 2 Prozent. Diese nicht gerade hohen Zinsen schienen für die Zentralbanken immerhin lukrativ genug für den Verleih einer Ware zu sein, die bis dahin irgendwo in ihren Tresoren vor sich hin schlummerte und anstatt etwas einzubringen lediglich Kosten für Lagerung und Bewachung verursachte.

Was aber macht nun eine Bullion-Bank mit dem geliehenen Gold? Lagert sie es ein und hat jetzt ihrerseits nicht nur die Kosten für Lagerung und Versicherung, sondern auch noch die Zinszahlungen an die jeweilige Notenbank zu tragen? Das wäre ein schlechtes Geschäft. Die Gold-Banken sind ebenso wie alle anderen Banken Vermittler. Sie verdienen daran, dass sie Finanzgeschäfte vermitteln. Also nehmen sie das Gold und verkaufen es weiter, z.B. an die Schmuckindustrie oder an Investoren und kassieren dafür den entsprechenden aktuellen Goldpreis zuzüglich Provisionen und Spesen.

Das vereinnahmte Geld investierten sie dann wiederum in Anleihen und Schatzbriefe. Das ganze rechnete sich ungefähr folgendermaßen: Die Bullion-Bank zahlte ein Prozent Zins an die Notenbank während des Ausleihzeitraums und legte das für den Verkauf des geliehenen Goldes eingenommene Geld mit ca. 5 bis 6 Prozent in festverzinslichen Anleihen an – macht nach Abzug der Transaktionskosten einen Gewinn von 3 bis 4 Prozent. Dieses Geschäftsmodell nennt man Gold-Carry-Trade. Ein schönes Geschäft, das allerdings einen kleinen Haken aufweist.

Ab dem Zeitpunkt, zu dem die Bullion-Bank das geliehene Gold verkauft, steht sie im Risiko. Sie muss zum vorher bestimmten Zeitpunkt die gleiche Menge Gold, die sie verkauft hat und jetzt nicht mehr besitzt, an die Notenbank zurückgeben. Wenn sich bei der fälligen Rückgabe der Goldpreis auf dem gleichen Niveau befindet wie zu dem Zeitpunkt, als das Gold verkauft wurde, läuft alles problemlos. Die Bullion-Bank kauft am Markt die entsprechende Menge quasi kostenneutral zurück und das Geschäft mit der Notenbank wird glatt gestellt.

Noch besser stellt sich die Lage dar, wenn in der Zwischenzeit der Goldpreis gesunken ist. Dann kann das Gold günstiger eingekauft werden als man es verkauft hat und neben dem Zinsdifferenzgeschäft realisiert die Bullion-Bank zusätzliche Kursgewinne. Das ist die hohe Kunst des Geldverdienens, die allerdings nicht mehr funktioniert, wenn der Goldpreis steigt.

In diesem Falle müsste die Bank für den Rückkauf des gelben Metalls mehr Geld ausgeben, als sie durch den Verkauf eingenommen hat. Dadurch wäre möglicherweise der Gewinn aus dem Zinsdifferenzgeschäft sehr schnell weg geschmolzen und es könnte im Endeffekt sogar zu einem Verlustgeschäft kommen – nicht nur für die Bullion-Bank, sondern auch für die Notenbank.

Wenn nämlich durch derartige Geschäftspraktiken eine Bullion-Bank zu große Verluste erleidet und in ihrer Existenz gefährdet würde, hätte sehr wahrscheinlich auch die Notenbank das Nachsehen, da diese keine Aussicht darauf hätte, von einer Pleite gegangenen Bank Zinsen zu erhalten, geschweige denn ihr Gold zurück zu erhalten. Aus diesem Grunde haben die Notenbanken ein sehr großes Interesse daran, dass ihre Geschäftspartner – die Gold-Banken – nicht durch zu hohe Goldpreise unter Druck geraten.

Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, weshalb die Notenbanken einen hohen Goldpreis nicht besonders schätzen und weshalb sie gerne Gold verliehen – insbesondere seit Mitte der 1990iger Jahre. Durch die Gold-Verleihung kam immer wieder Gold aus den Tresoren auf den Markt und sorgte nicht nur dafür, dass jede Nachfrage befriedigt werden konnte, sondern dass man dadurch den Goldpreis sogar drücken konnte.

Für die Drückung des Goldpreises gab es verschiedene Motive. Zunächst half ein niedriger Goldpreis, die Finanzmärkte bei tatsächlichen oder zu befürchtenden Krisensituationen zu beruhigen (z.B. in Zeiten der Asien- und Russlandkrise Mitte/Ende der 1990iger, dem Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM im Jahr 1998 oder den Terroranschlägen vom 11. September 2001). Außerdem ist ein niedriger Goldpreis positiv für die Außenwirkung der US-Finanzpolitik, indem er signalisiert, dass alles in Ordnung und die Inflation unter Kontrolle ist. Schließlich muss der Goldpreis unten bleiben, damit die Spieler beim Gold-Carry-Trade nicht verlieren.

Die Praxis des Goldverleihens durch die Zentralbanken führt allerdings zu starken Verzerrungen der Angebots- und Nachfragestruktur. Das von Zentralbanken verliehene Gold, das in den Markt hinein verkauft wird, hat den Effekt, dass kurzfristig das Angebot erhöht und damit der Goldpreis niedrig gehalten wird. Auf lange Sicht wiederum wird das Angebot reduziert, weil das Gold wieder vom Markt genommen werden muss, wenn die Verleihfrist abgelaufen ist.

Wenn zusätzlich die Nachfrage nach Gold weiter steigt, z.B. für Investmentzwecke und überdies die Minenproduktion rückläufig ist, wird eine sehr angespannte Situation auf dem Goldmarkt entstehen, die zu sehr unerwarteten Preisbewegungen nach oben führen kann. Wie stark solche Bewegungen sein können, hängt davon ab, wie groß die Menge des ausstehenden Goldes ist. Und genau diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.

Hubert Roos ist Chef des in Würzburg ansässigen Edelmetallhandelsunternehmens Silvior. Zu seinem fachlichen Hintergrund lassen wir ihn selbst sprechen:

Im Jahr 2003 erschien mein Buch “Gold-Boom”, das ich als selbständiger und unabhängiger Anlageexperte im Edelmetall- und Rohstoffbereich geschrieben hatte. Anfang 2004 wurde mein Buch “Big-Silver” veröffentlicht, damals das erste Buch im deutschsprachigen Raum, in dem Silber primär als Anlageprodukt behandelt wurde. Beim Erscheinen dieser Bücher waren physische Edelmetalle als Investmentinstrumente bei den meisten Privatanlegern unbekannt. Zwischenzeitlich hat sich die Situation in den Edelmetallmärkten sehr dynamisch entwickelt. Gold und Silber sind als Anlageformen zwar schon wieder zum Thema geworden und die Zahl der Publikationen über den Edelmetallmarkt wird zunehmend unübersichtlicher, aber tatsächlich sind erst 5 bis 10 Prozent aller Anleger in dieser Assetklasse investiert. Dies liegt auch daran, dass die traditionellen Institutionen, die in der Vergangenheit Gold und Silber verkauften, in den letzten 20 Jahren ihr Interesse und damit auch ihre Kompetenz im Bereich Edelmetalle verloren haben. Die Systeme der heutigen Finanzwelt sind auf den Umgang mit Edelmetallen nicht optimal eingestellt. Denn anders als beim Kauf von Aktien, Anleihen oder Zertifikaten wird beim Kauf von Silber und Gold in Form Barren oder Münzen nicht alles automatisch auf Knopfdruck erledigt. Silber und Gold sind nicht einfach Geldanlagen, die in Ordnern oder Computern gespeichert werden. Die Edelmetalle müssen transportiert, gelagert und gesichert werden. Der Umgang mit Silber und Gold erfordert Erfahrung und Verständnis für wichtige Zusammenhänge. Die immer stärker werdende Nachfrage nach zeitgemäßen Angeboten für private Anleger im Bereich Edelmetalle war der Auslöser für die Gründung von SilviOr im Jahr 2007. Von meinem Know-How profitieren heute alle SilviOr-Kunden, wenn sie sich für den Kauf unserer Produkte und Dienstleistungen entscheiden.

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2 Kommentare zu „Gold 2010: Hinter den Kulissen“

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