Greenspans Prophezeiung

verfasst von Hubert Roos am 29. 07. 2008

Wenn eine Finanzinstitution, eine Bank, eine Maklergesellschaft oder ein riskanter Hedgefonds mit sehr großen Schulden von staatlicher Seite gerettet wird, dann sind es letztendlich die Bürger und Steuerzahler, die dafür bezahlen. Der Staat “leiht” den Pleite gegangenen Institutionen Geld und belohnt sie dadurch noch für ihr Missmanangement, aber dieses “geliehene”  Geld wird niemals mehr zurück gezahlt und außerdem ist es nicht das Geld des Staates oder der Notenbank, sondern es ist das Geld, das man den Bürgern in Form von Steuern abnimmt. Konkret bedeutet dies Enteignung von Bürgern zugunsten von Unternehmen, deren Manager meist über viele Jahre fette Gehälter eingestrichen haben und am Ende ihrer erfolglosen Tätigkeit mit dicken Abfindungen in Pension geschickt werden.

Der einzige Schutz für jede Frau und jeden Mann im Staat gegen die systematische Enteingung ist der Besitz von Gold und Silber. Lesen jetzt das Kapitel “Der Wert des Goldes” aus dem Buch “Gold-Boom” von Hubert Roos. Bereits vor 5 Jahren wurden darin der deutschen Öffentlichkeit erstmals Auszüge aus dem zwischenzeitlich sehr häufig zitierten Aufsatz des ehemaligen Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Alan Greenspan zugänglich gemacht.

Der Wert des Goldes

„Wer Gold hat, hat immer Geld,“ sagt ein altes Sprichwort. Das Einzigartige an Gold ist die Tatsache, dass keine Regierung der Welt und keine Notenbank Gold herstellen und durch inflationären Gebrauch entwerten kann. Das unterscheidet physisches Gold von allen anderen auf Papier gedruckten Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Banknoten oder Kontoguthaben.

Der Inhaber von Goldmünzen oder Goldbarren kann nicht durch eine Konkurserklärung eines Schuldners enteignet werden, da der Wert des Goldes unabhängig vom Zahlungsversprechen Dritter besteht. Gerade dieser Sachverhalt gibt Gold in unserer heutigen Zeit die Bedeutung zurück, die es in den letzten 20 Jahren scheinbar verloren hatte.

In einem Artikel aus dem Jahr 1966, der später in einem Buch abgedruckt wurde (23), zeigte der heutige Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Alan Greenspan den Wert und die Bedeutung des Goldstandards auf: „Wenn Banken Geld ausleihen, um produktive und profitable Unternehmen zu finanzieren, werden die Ausleihungen rasch zurückgezahlt und Bankkredit ist weiterhin allgemein verfügbar. Aber wenn die mit Bankkrediten finanzierten Geschäfte weniger profitabel sind und nur langsam zurückgezahlt werden, spüren die Banker schnell, dass ihre ausstehenden Darlehen zu hoch sind im Verhältnis zu den Goldreserven und sie fangen an, mit neuen Ausleihungen zurückhaltender zu sein, üblicherweise indem sie höhere Zinsen berechnen. Dies begrenzt die Finanzierung neuer Unternehmungen und erfordert von den bestehenden Schuldnern, dass sie ihre Gewinnsituation verbessern, bevor sie Kredite für weitere Expansionen bekommen können.“

Durch die begrenzten Goldreserven, die einer Notenbank zur Verfügung standen, wurde automatisch eine ungleichgewichtige Expansion der Geschäftstätigkeit gestoppt, bevor sie sich zur Katastrophe entwickeln konnte. Erforderliche Korrekturphasen waren in der Regel kurz und die Wirtschaft konnte bald wieder auf den Expansionskurs zurückkehren. Leider wurde dieser Heilungsprozess als Krankheit fehlinterpretiert. Die Argumentation der Wirtschaftsinterventionisten lautete folgendermaßen: wenn der Mangel an Bankreserven einen Konjunkturabschwung bewirkte, müsste man lediglich einen Weg finden, um zusätzliche Reserven zur Verfügung zu stellen, so dass sie nie knapp werden müssten. Die Banken könnten dann unbegrenzt fortfahren, Geld zu verleihen und es würde keine Konjunkturrückschläge mehr geben. Daraufhin wurde 1913 das Federal Reserve System organisiert, das aus 12 regionalen Federal Reserve Banken bestand, die nominal zwar privaten Bankern gehörten, in Wirklichkeit aber vom Staat gefördert, kontrolliert und unterstützt wurden. Ab diesem Zeitpunkt konnte zusätzlich zum Gold auch noch von den Federal Reserve Banken geschöpfter Kredit als legales Zahlungsmittel dienen.

Ein großer „Nachteil“ des Goldstandards konnte mit diesem Federal Reserve System beseitigt werden: die verfügbaren Geldmittel waren nicht mehr an die vorhandenen Goldreserven gebunden, sondern konnten beliebig geschöpft werden. Solange der Goldstandard Bestand hatte, waren keine chronischen Haushaltsdefizite möglich, da der Kreditumfang, den die Wirtschaft verkraften konnte von den realen Sachwerten der Wirtschaft begrenzt wurde und weil jedes Kreditverhältnis letztendlich ein Anspruch auf einen realen Sachwert darstellte. Die Abschaffung des Goldstandards ermöglichte es den Regierungen, das Banksystem für eine unbegrenzte Kreditexpansion zu missbrauchen, indem sie Papiervermögen in Form von Staatsanleihen erzeugten. Dieses Papiervermögen akzeptierten die Banken als Sicherheit, gleichsam als Ersatz für das, was früher eine Einlage in Gold war. Trotz dieses Vorteils, den die Aufhebung des Goldstandards für den Staat brachte, wurde natürlich das Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht aufgehoben. Wenn das Angebot von Geld im Verhältnis zum Angebot von realen Gütern und Dienstleistungen steigt, müssen die Preise unweigerlich steigen.

Greenspan machte dies vor fast vierzig Jahren in seiner Rede deutlich: „Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müsste die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es im Falle von Gold auch gemacht wurde. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die versteckte Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.“

Seit der Währungsreform 1948 in Deutschland, als die D-Mark als ungebundene Papierwährung eingeführt wurde, hat sich der Preisindex für die Lebenshaltung etwas mehr als verdreieinhalbfacht. In dieser Zeit hat die D-Mark beinahe drei Viertel ihrer ursprünglichen Kaufkraft eingebüßt. Die Inflationsrate, d. h. die Geschwindigkeit, mit der unser Geld immer weniger wert wurde, hat sich im Lauf der Zeit verändert. Zunächst betrug der Preisanstieg in den Jahren bis 1959 nur 1,1% pro Jahr, in den sechziger Jahren waren es 2,4% und in den Siebzigern sogar 4,9%. In den Achtzigern ging der Wert wieder auf 2,9% zurück, stieg aber in den neunziger Jahren wieder auf über 3%. Gemessen an den Inflationsrekorden im Deutschland der Jahre 1922/23 sind diese Werte sehr bescheiden. Im Oktober 1923 lag die Inflationsrate bei rund 32000%. In dieser Zeit wurden Löhne nicht monatlich, auch nicht wöchentlich ausbezahlt, sondern zweimal am Tag, da innerhalb weniger Stunden der Geldwert rapide nach untern gestürzt war. So konnte es passieren, dass der Preis eines Abendessens im Restaurant sich zwischen Bestellung und Bezahlung der Rechnung verdoppelt hatte. Der bargeldlose Zahlungsverkehr spielte kaum noch eine Rolle, da angesichts der extremen Preissteigerungen jeder auf schnelle Zahlung in Bargeld bestand, jede Zahlungsverzögerung bewirkte erhebliche Einbußen des Realwertes. Als Folge davon stieg der Bargeldbedarf außerordentlich, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöhte sich extrem und die Notenpressen liefen auf Hochtouren. Dabei hatte Deutschland vor dem ersten Weltkrieg eine solide Goldwährung.

Das Bankgesetz verpflichtete die damalige Reichsbank zur Dritteldeckung: umlaufende Banknoten mussten mindestens zu einem Drittel in Gold gedeckt sein. Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges kam mit der sogenannten „Notgesetzgebung“ das Ende dieses Währungssystems. Die Bedingungen der Goldwährung wurden aufgehoben und die Reichsbank übernahm in der Folgezeit als „Kriegsbank“ die Kriegsfinanzierung, indem sie dem Reich über Schatzanweisungen Kredit gewährte. Nach dem verlorenen Krieg blieben Deutschland neben den enormen direkten Kriegskosten große finanzielle Belastungen für die Wiedereingliederung der heimkehrenden Soldaten und hohe Entschädigungszahlungen für die Siegermächte. Aus dieser hoffnungslosen Lage befreite sich der Staat durch die Finanzierung der Staatsausgaben durch die Notenpresse. Im Oktober 1923 waren nur noch etwa ein Prozent der Ausgaben des Reiches durch Steuereinnahmen gedeckt. Die Folgen der dadurch ausgelösten Inflation waren verheerend: die gesamte Produktion war fast zum Erliegen gekommen, vernünftige Kalkulationen waren ohne stabile Grundlage nicht mehr möglich. Während sich der Staat auf diese Weise entschuldete, waren die privaten Anleger Opfer dieser Politik geworden. Vor allem Sparer, die zur Alterssicherung in gutem Glauben Staatsanleihen erworben hatten, standen vor dem Nichts, da der Wert dieser Papiere auf Null gesunken war (24).

Die Gedanken Greenspans von vor rund 40 Jahren, zu einer Zeit als er noch nicht Vorsitzender der amerikanischen Notenbank war, haben heute genau so ihre Gültigkeit wie damals. In seinem Amt als Chairman der Federal Reserve (Fed) nutzte Greenspan die Möglichkeiten der Geldschöpfung bis an die äußersten Grenzen. Heute wie damals hat Gold seine Fähigkeit bewahrt, die Eigentumsrechte jedes einzelnen zu beschützen.

© Börsenmedien AG, Kulmbach 2003. Hubert Roos “Gold-Boom, Gewinne und Sicherheit mit Gold” erhältlich bei Amazon

1 Kommentar zu „Greenspans Prophezeiung“

  • Ich habe das Buch von Roos auch gelesen und war angenehm überascht, wie interessant es geschrieben ist. Danach bin ich hier auf den Blog gestoßen, dessen Beiträge sehr vielseitig sind. Im Großen und Ganzen also recht gelungen!

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