Archiv für Mai 2010
Können sich die USA aus der Krise lügen?
Der Sturm auf den Devisenmärkten wütet und nimmt an Stärke zu. Aus Washington und London werden massive Angriffe gegen den Euro geführt. Aus London, weil dies der britischen Regierung die Möglichkeit gibt, ihre finanziell aussichtslose Lage noch eine Zeitlang zu verschleiern. Aus Washington, weil die Finanzierung der Defizite immer schwieriger wird und sie einen Konkurrenten für ausländisches Kapital ausschalten möchte.
Der angebliche US-Aufschwung ist in Wirklichkeit ein Hirngespinst, eine riesige Kommunikationskampagne, mit der versucht wird, im Inland die Konsumfreude der Privathaushalte anzukurbeln und im Ausland eine Panik der Kreditgeber zu vermeiden.
Am Beispiel von General Motors kann man gut sehen, wie Amerika seine Lügenmärchen strickt: Am 21. April 2010 schrieb der Vorstandsvorsitzende von General Motors in einem Gastbeitrag im Wall Street Journal (WSJ), dass sich die Lage seines Unternehmens so sehr gebessert habe, dass es die 5,8 Millarden Dollar Subventionen an das US-Finanzministerium zurückzahlen könne.
Die Medien und die Regierung Obama verbreiteten die Information euphorisch. Die europäischen Medien übernahmen freudig die entsprechenden Nachrichten der internationalen Presseagenturen ohne größere Nachprüfung. Aber die Wahrheit sieht leider ganz anders aus.
Denn zum einen hat General Motors verschwiegen, dass es sich bei dieser Summe lediglich um einen Teilbetrag der Gesamthilfsgelder in Höhe von 49,6 Milliarden Dollar handelt. Und als besonderer Gag kommt noch erschwerend hinzu, dass GM den Teilbetrag mit einem weiteren Kredit der US-Regierung zurückgezahlt hat.
Die USA geben sich der Illusion hin, sie könnten, im Gegensatz zu den anderen westlichen Ländern, einen drastischen Sparkurs vermeiden, weil ihre Wirtschaft sich wieder auf einem moderaten Wachstumskurs befände. Der Anstieg der Aktienkurse war der einzige Faktor in der US- Wirtschaftsentwicklung gewesen, der zum positiven Ausschlag einiger Wirtschaftsindizes geführt hatte. Diese Phase des “Aufschwungs” ist nun schon wieder vorbei.
Deshalb müssen sich die Regierungen der Euro-Staaten darauf vorbereiten, dass weiterhin Angriffe gegen den Euro erfolgen werden und dass die Medien – teilweise durch US-Propaganda angestachelt – gegen die verantwortlichen Politiker Sturm laufen werden, um die öffentlichen Meinungen in Europa zu teilen und gegeneinander zu hetzen .
Da die angelsächsischen Medien weltweit dominierend sind, sind sie nicht nur ein ideales Sprachrohr für entsprechende Gerüchte, die sie einem sehr großen Publikum bekannt machen können, sondern es kommt erschwerend hinzu, dass in vielen europäischen Ländern die Presse sich damit begnügt, bei FTD, WJS etc. abzuschreiben.
Nicht die schwierige Lage Griechenlands war in erster Linie der Auslöser für Kursabstürze an der US-Börse. Der wahre Auslöser ist die Sorge um den Zustand der US-Wirtschaft, die immer desolater wird. Gefährlich für den Dollar ist insbesondere die Tatsache, dass er gegenüber Gold und den Währungen seiner wichtigsten Handelspartner kontinuierlich an Wert verliert (gegenüber der australischen und kanadischen Währung z.B. ein Wertverlust von 10% seit Jahresbeginn).
Wir gehen davon aus, dass die aktuelle relative Euroschwäche im Vergleich zum Dollar nur eine vorübergehende Durchbrechung des langfristigen Trends darstellt. Angemessen wäre aktuell ein Kurs von 1,45 Dollar für einen Euro, und wir gehen davon aus, dass dieser Kurs bis Ende 2010 wieder erreicht wird.
Mit Beginn des kommenden Winters, in dem die Folgen der US-Verschuldung sich bemerkbar machen werden und das ausländische Kapital aus den USA abfließen wird, wird der Dollar auf neue Tiefststände sinken.
Der aktuelle Euro-Dollar-Wechselkurs beflügelt die europäischen Exporte und vergrößert damit auch noch die amerikanischen Defizite. Allein das wird bald wieder für einen Anstieg des Euros im Vergleich zum Dollar sorgen.
Gold und Silber sind nach wie vor die idealen sicheren Investitionen. Aber natürlich nur greifbares Edelmetall: Goldbarren und Silbermünzen. Zertifikate sind zu meiden! Und Cash is King, solange die Rendite bei anderen Investitionen so niedrig bleibt.
Vorsicht bei den Banken: In nächster Zeit werden einige von ihnen wieder zugeben müssen, dass sie eigentlich pleite sind; und zwar nicht nur in den USA, wo der Rhythmus der Bankeninsolvenzen sich wieder beschleunigt.
© Hubert Roos, SilviOr GmbH
Griechenland, Portugal, Spanien: Gold – heute wichtiger denn je!
Das Einzigartige an Gold ist die Tatsache, dass keine Regierung der Welt und keine Notenbank Gold herstellen und durch inflationären Gebrauch entwerten kann. Das unterscheidet physisches Gold von allen anderen auf Papier gedruckten Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Banknoten oder Kontoguthaben.
Wer physisches Gold besitzt, kann nicht durch eine Konkurserklärung eines Schuldners enteignet werden, da der Wert des Goldes unabhängig vom Zahlungsversprechen Dritter besteht. Gerade dieser Sachverhalt gibt Gold in unserer heutigen Zeit die Bedeutung zurück, die es in den letzten 30 Jahren scheinbar verloren hatte.
In einem Artikel aus dem Jahr 1966 zeigte der ehemalige Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Alan Greenspan den Wert und die Bedeutung des Goldstandards auf:
„Wenn Banken Geld ausleihen, um produktive und profitable Unternehmen zu finanzieren, werden die Ausleihungen rasch zurückgezahlt und Bankkredit ist weiterhin allgemein verfügbar. Aber wenn die mit Bankkrediten finanzierten Geschäfte weniger profitabel sind und nur langsam zurückgezahlt werden, spüren die Banker schnell, dass ihre ausstehenden Darlehen zu hoch sind im Verhältnis zu den Goldreserven und sie fangen an, mit neuen Ausleihungen zurückhaltender zu sein, üblicherweise indem sie höhere Zinsen berechnen. Dies begrenzt die Finanzierung neuer Unternehmungen und erfordert von den bestehenden Schuldnern, dass sie ihre Gewinnsituation verbessern, bevor sie Kredite für weitere Expansionen bekommen können.“
Durch die begrenzten Goldreserven, die einer Notenbank zur Verfügung standen, wurde automatisch eine ungleichgewichtige Expansion der Geschäftstätigkeit gestoppt, bevor sie sich zur Katastrophe entwickeln konnte. Erforderliche Korrekturphasen waren in der Regel kurz und die Wirtschaft konnte bald wieder auf den Expansionskurs zurückkehren.
Leider wurde dieser Heilungsprozess als Krankheit fehlinterpretiert. Die Argumentation der Wirtschaftsinterventionisten lautete folgendermaßen: wenn der Mangel an Bankreserven einen Konjunkturabschwung bewirkte, müsste man lediglich einen Weg finden, um zusätzliche Reserven zur Verfügung zu stellen, so dass sie nie knapp werden müssten. Die Banken könnten dann unbegrenzt fortfahren, Geld zu verleihen und es würde keine Konjunkturrückschläge mehr geben.
Daraufhin wurde 1913 das Federal Reserve System organisiert, das aus 12 regionalen Federal Reserve Banken bestand. Ab diesem Zeitpunkt konnte zusätzlich zum Gold auch noch von den Federal Reserve Banken geschöpfter Kredit als legales Zahlungsmittel dienen.
Ein großer „Nachteil“ des Goldstandards konnte mit diesem Federal Reserve System beseitigt werden: die verfügbaren Geldmittel waren nicht mehr an die vorhandenen Goldreserven gebunden, sondern konnten beliebig geschöpft werden. Solange der Goldstandard Bestand hatte, waren keine chronischen Haushaltsdefizite möglich, da der Kreditumfang, den die Wirtschaft verkraften konnte von den realen Sachwerten der Wirtschaft begrenzt wurde und weil jedes Kreditverhältnis letztendlich ein Anspruch auf einen realen Sachwert darstellte.
Die Abschaffung des Goldstandards ermöglichte es den Regierungen, das Banksystem für eine unbegrenzte Kreditexpansion zu missbrauchen, indem sie Papiervermögen in Form von Staatsanleihen erzeugten. Dieses Papiervermögen akzeptierten die Banken als Sicherheit, gleichsam als Ersatz für das, was früher eine Einlage in Gold war.
Trotz dieses Vorteils, den die Aufhebung des Goldstandards für den Staat brachte, wurde natürlich das Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht aufgehoben. Wenn das Angebot von Geld im Verhältnis zum Angebot von realen Gütern und Dienstleistungen steigt, müssen die Preise unweigerlich steigen. Greenspan machte dies vor mehr als vierzig Jahren in seiner Rede deutlich:
„Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. … Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die versteckte Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.“
Mehr ist dem nicht hinzu zu fügen.
© Hubert Roos, Auszug aus “Gold-Boom”, Börsenmedien AG, Kulmbach 2003; erhältlich bei Amazon