Archiv für Mai 2009

Alles zum halben Preis

Immer größer wird die allgemeine Verunsicherung bei Investoren, wohin die Reise geht. Bekommen wir nun Inflation oder Deflation und wie kommen wir am besten über die Runden?

Seltsamerweise haben die meisten Menschen viel größere Angst vor Deflation als vor Inflation. Das Schreckensgespenst Deflation musste bereits in den Jahren 2002 und 2003 herhalten, um die Menschen über die verhängnisvollen Entwicklungen im Finanzsektor zu täuschen. Auch jetzt wird dieses Gespenst herbeizitiert, um die Sorgen vor dem wirklichen Monster der Hyperinflation zu vertreiben. Dabei gäbe es Gründe, die uns eine Deflation als geringeres Übel erscheinen lassen, als eine massive Vermögensvernichtung und Verarmung durch die Hyperinflation.

Man stelle sich vor, beim Wochenendeinkauf werden alle Waren mit 50% Rabatt angeboten oder beim Autokauf zahlt man 30% weniger (was wir teilweise schon so erleben können). Was soll daran schlecht sein? Und was würde es einem Unternehmen schaden, wenn es z. Bsp. für Zulieferteile weniger ausgeben muss und dafür seine Güter günstiger anbieten kann oder das gesparte Geld für andere Investitionen nutzen kann? Unternehmen wollen normalerweise höchstmögliche Gewinne erzielen. Wie aber sollen sie das schaffen, wenn sie durch Wettbewerbsdruck oder durch das wirtschaftliche Umfeld gezwungen werden, zu immer niedrigeren Preisen anzubieten? Möglich ist dies, wenn sie ihre Effizienz steigern.

Das beste Beispiel hiefür liefert die Computerindustrie. Die Preise sind seit ewigen Zeiten gefallen, obwohl die Verkäufe gestiegen sind und sowohl Computerhersteller als auch der Handel haben gut dabei verdient. Viele Firmen sind immer besser geworden mit ihren Produkten, ihren Prozessabläufen, ihrem Vertrieb und waren dadurch in der Lage, auch mit fallenden Preisen ordentliche Gewinne zu erzielen. An diesem Beispiel ist ersichtlich, dass es keinen radikalen Bruch geben muss zwischen den Interessen der Verbraucher, die sich immer niedrigere Preise wünschen, und wirtschaftlicher Gesundheit für die Untenehmen. Was für den Verbraucher gut ist, ist eigentlich für jeden gut, da jeder ein Verbraucher ist.

Dennoch behaupten viele Experten, dass fallende Preise Gift für die Konjunktur sind, weil das Geld dann mehr wert ist und Verbraucher keinen Anreiz hätten, das Geld auszugeben. Die Konsumenten würden bei anhaltend sinkenden Preisen ihre Käufe in die Zukunft verschieben, denn sie hoffen darauf, das gleiche Produkt später günstiger zu bekommen. Als Folge davon würden sich die Wirtschaftsaktivitäten verlangsamen, die Nachfrage würde zurückgehen, Investitionen würden aufgeschoben, die Arbeitslosigkeit würde steigen. All diese Annahmen würden jedoch unterstellen, dass die Verbraucher einen Vorteil davon hätten, wenn sie für alle Ewigkeit ihr Geld aufheben und nie mehr etwas kaufen würden, was nicht nur unwahrscheinlich sondern eher absurd ist. Sicherlich würden fallende Preise zunächst einen Anreiz zum Sparen geben, aber so lange die Neigung zum Sparen da ist, anstatt Geld auszugeben, wird damit der Weg für zukünftiges Wirtschaftswachstum geebnet.

Ein weiterer Sorgenpunkt für viele ist die Auswirkung der Deflation auf die Bezahlung von Schulden. Deflation macht es viel schwieriger, bestehende Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Es ist richtig, dass dann Darlehen in Euro oder Dollar zurückbezahlt werden müssen, die mehr wert sind, als diejenigen, die man sich ausgeliehen hat. Dies ist jedoch immer Teil des Risikos, das man eingeht , wenn man Schulden oder Finanzgeschäfte macht. Wenn jeder den perfekten Vorausblick hätte, würde sich unser Verhalten grundlegend ändern und jeder wäre steinreich. Somit entsteht in einer Deflationszeit ein Negativanreiz zum Schuldenmachen und eine positive Verstärkung der Sparneigung zum Zwecke der Investition in sinnvolle wirtschaftliche Projekte. Letztendlich bedeutet dies eine Belohnung für diejenigen, die einen gesunden und ausgeglichenen Finanzhaushalt haben, ganz gleich ob Unternehmen oder Privatperson.

Kommen wir zum Hauptproblem: Die Grosse Depression der dreißiger Jahre steht als Sinnbild für die Tatsache, dass fallende Preise die Wirtschaft zum Erliegen bringen. Die Ursache für die Depression waren jedoch nicht die fallenden Preise. Diese waren nur die Auswirkung von zahlreichen Fehlern, die in der vorausgegangenen Boom-Phase begangen worden waren und durch die massiven Interventionen der Regierung verstärkt wurden. Schließlich waren es die fallenden Preise und die zurückgehenden Lebenshaltungskosten, die überhaupt ein Überleben für viele möglich machte. Man stelle sich nur einmal vor, was passieren würde, wenn bei einer rückläufigen Konjunktur, bei geringen Ersparnissen, bei hoher Arbeitslosigkeit die Preise kräftig steigen würden! Und man muss sich selbst fragen, ob man für Waren, Dienstleistungen, Mieten lieber mehr oder weniger zahlen möchte, wenn man arbeitslos ist oder um seine Arbeitsstelle bangen muss.

Interessanterweise fielen im 19. Jahrhundert die Preise fast immer in Phasen des wirtschaftlichen Wachstums. Der gesamte Trend der industriellen Revolution in der westlichen Welt war von fallenden Preisen geprägt, wodurch ein immer höherer Lebensstandart für die gesamte Bevölkerung erreicht werden konnte. Trotz oder wegen fallender Preise konnte die allgemeine Gewinnsituation der Unternehmen stabil gehalten werden und trotz oder wegen fallender Preise konnten die Löhne konstant bleiben und dennoch ein echter Kaufkraftzuwachs erzielt werden. Wenn also schon Rezessionen unvermeidlich sind, dann ist es besser, eine Deflation zu haben anstatt einer Inflation, welche die Preise nach oben treibt und damit keinen Anreiz zum sparen und investieren in die Zukunft bietet. Inflation verführt zum schnellen Konsum und verbraucht somit Kapital, welches für zukunftsträchtige Investitionen nötig wäre. Auf diese Weise wird die Rezession nicht vermieden, sondern verlängert.

Leider wurden die Weichen zum letztmöglichen Zeitpunkt im Jahr 2003 nicht in die richtige Richtung gestellt. Die zwangsläufige Folge einer zu starken Lockerung der Geldpolitik ist hohe Inflation  und die Auswirkungen werden wir in den nächsten Jahren am eigenen Leib bzw. Portemonnaie spüren. Wer Gold und Silber hat, wird in jedem Fall besser über die Runden kommen.

© Hubert Roos, SilviOr GmbH mit Textpassagen aus seinem Buch  “Gold-Boom”, Börsenmedien-Verlag, Kulmbach 2003 (erhältlich bei Amazon).

SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline