Archiv für März 2009
JPM: Kurz vor dem “Urknall”
Der folgende Beitrag stammt aus dem Buch “Big Silver” aus dem Jahr 2003. Was damals wie eine Prophezeiung erschien, ist kurz davor, Realität zu werden – innerhalb der nächsten Tage oder Wochen.
Täglich werden Devisen im Wert von rund 1,2 Billionen Dollar um den Globus gejagt. Für die Zahlungsströme im Waren- und Dienstleistungssektor würden rund 25 Milliarden ausreichen. Insider vermuten, dass für jeden Dollar, der in der realen produktiven Wirtschaft zirkuliert, zwischen 20 und 50 Dollar in der reinen Finanzwirtschaft in Umlauf sind – genau weiß es niemand. Dieses überschüssige Geld hat keine Verbindung zu irgendwelchen echten Werten, sondern ist reine Spekulationsmasse. Dabei genügen winzige Wechselkursänderungen, um bei einem entsprechend hohen Einsatz stattliche Gewinne zu erzielen. Erwarten z.B. Devisenhändler aufgrund einer unmittelbar bevorstehenden Zentralbanksitzung eine Senkung oder eine Erhöhung der Leitzinsen und damit eine Kursänderung des Dollars, so kaufen sie diese Währung über Derivate zu einem bestimmten Euro-Dollar-Wechselkurs. Mit ein bisschen Glück können sie schon bald nach Bekanntgabe der US-Zinsen mit Gewinn verkaufen, wenn sich der Dollarkurs in die erwartete Richtung bewegt hat.
Die Derivatepositionen, die von US-Banken gehalten werden, haben fast unvorstellbare Dimensionen von über 50 Billionen Dollar erreicht. Dabei kontrolliert alleine die Investmentbank J.P. Morgan Chase (JPM) in den Vereinigten Staaten über 50 Prozent des gesamten Derivatemarktes mit einem Volumen von 26 Billionen Dollar – das entspricht mehr als dem 2,5-fachen des gesamten Bruttoinlandsproduktes der USA. Bezogen auf die Marktkapitalisierung (den Börsenwert) des Unternehmens sind die Derivatepositionen von JPM mehrere Hundert mal so groß. Die Gefahr solch extremer Größenordnungen besteht darin, dass nur eine leichte unerwartete Schwankung in den Positionen, eine kleine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung der Spekulation zur Katastrophe führen kann. Bei einem Aktienportfolio ist eine Tagesschwankung von einem Prozent nichts ungewöhnliches. Allerdings kann bei einem hundertfachen Hebel durch eine Preisbewegung von einem Prozent in die falsche Richtung eine Menge Kapital vernichtet werden.
Durch einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar wurde Barings mit einem relativ „kleinen“ Betrag aus dem Rennen geworfen. Der sagenumwobene Hedge Fund LTCM (Long Term Capital Management) hatte ein Aktienkapital von 3 Milliarden Dollar auf 140 Milliarden Dollar Schulden und 1,25 Billionen Dollar in Derivaten gehebelt. Im Zuge der Asien- und Russlandkrisen 1997 und 1998 flog das LTCM-System in die Luft. Nur mit Hilfe einer von der amerikanischen Notenbank organisierten Rettungsaktion durch ein Konsortium von 14 Großbanken konnte eine finanzielle Kernschmelze im globalen Finanzmarkt verhindert werden.
Verglichen mit der Sprengkraft, die in dem 26-Billionen-Geschäft von JPM liegt, ist selbst die LTCM-Story ein Kindermärchen. Mussten 1998 bereits die 14 größten Banken der Welt einspringen, um das Weltwährungssystem vor dem Absturz zu bewahren, so stellt sich heute die Frage, welches Damoklesschwert über dem globalen Finanzsystem schwebt und wie man einen finanziellen Supergau überstehen kann. Der Wert des Geldes wird dann in anderen Maßeinheiten gemessen: in Unzen von physischem Silber.
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© Börsenmedien AG, Kulmbach 2003: Roos, Hubert “Big Silver, Gewinnbringend investieren mit Silber”
April 2009: Letzte Chance?
“With the monetary system we have now, the careful
saving of a lifetime can be wiped out in an
eyeblink”… Larry Parks, Executive Director,
FAME in 2005
Übersetzung:
“Mit dem jetzigen Finanzsystem können die mühsamen Ersparnisse eines Lebens in einem Wimpernschlag ausgelöscht werden.”



Seit zwei Jahren zeigt sich, dass die Regierenden unfähig sind, die wahre Natur der Krise zu verstehen. Denn erst seit einem Jahr bekämpft die Politik die Krise und leider nur die Symptome der Krise, nicht aber die Ursachen. In den USA wie auch in Europa, in China oder in Japan handeln die Regierenden, als ob die Weltordnung nur von einer vorübergehenden Krise erfasst wäre und es genügen würde, noch etwas zusätzlichen Treibstoff (weitere Schulden, Leitzinssenkungen, staatlicher Aufkauf von wertlosen Forderungen, Konjunkturförderprogramme zu Gunsten insolventer Industriezweige etc.) in das System zu gießen, um den Motor wieder zum Anspringen zu bringen.
In Wirklichkeit verbleibt nur ein sehr kleines Zeitfenster, während dem das Schlimmste noch vermieden werden kann, nämlich bis zum Sommer 2009. Dann kann die Zahlungsunfähigkeit Großbritanniens und der Vereinigten Staaten die Grundlagen des bestehenden Systems zusammen stürzen lassen. Wenn es auf dem geplanten G20-Gipfel im April 2009 nicht gelingt, die aktuell wirkenden Kräfte so auszurichten, dass der Übergang in die neue Weltordnung sich mit dem geringstmöglichen Schaden vollzieht, ist die letzte Chance verspielt und den Mächtigen wird die Kontrolle über die Ereignisse schnell weiter entgleiten.
Ab jetzt wird es für alle – Privatpersonen wie Wirtschaftsführer – höchste Zeit, sich auf eine sehr schwierige Zeit vorzubereiten, in der ganze Bereiche unserer Gesellschaft wegbrechen oder zumindest zeitweise aufhören werden, zu existieren. So wird z.B. der Zerfall des Weltwährungssystems im Laufe der nächsten 12 Monate nicht nur den Dollar und alle Geldanlagen in Dollar zusammen brechen lassen, sondern das Vertrauen in alle Papierwährungen massiv untergraben. Seit Jahrzehnten arbeiteten Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitute dieser Welt auf einer Finanzbasis, die nun einbricht. Das Finanzsystem ist auf einer dünnen Schicht Vertrauen aufgebaut, unter der sich toxische Kredite, ungedeckte US-Dollar, Anlagen in US-Dollar ohne realen Gegenwert und Schulden, die die USA, Großbritannien und viele westliche Volkswirtschaften und die Schwellenländer im Lauf der Jahre gemacht haben, befinden.
Die gegenwärtigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise, die weltweit ergriffen werden, versuchen überhaupt nicht, dieses Problem anzugehen. Die Regierenden in den USA, Europa, Japan oder China
begnügen sich damit, riesige Mengen neuer Liquidität in Dollar, Euro, Yen oder Yuan in das System zu pumpen und die toxischen privaten Schulden der Banken und Unternehmen in öffentliche Schulden – also Schulden der Bürger - zu wandeln. Die Einspeisung dieser unglaublichen Mengen Liquidität, insbesondere in den USA, wo die Summen inzwischen die menschliche Vorstellungskraft übersteigen, erhöht lediglich die Explosionskraft der Geld-Bombe, deren Zündschnur schon fast vollständig abgebrannt ist.
Die nächste Phase der umfassenden weltweiten Krise wird nicht nur von dem Zusammenbruch des US-Dollars und der von ihm mehr oder weniger abhängigen Währungen gekennzeichnet sein, sondern auch durch eine allgemeine Abkehr von Papierwährungen. Misstrauen ist sehr ansteckend. Also sollten Sie, auch wenn Sie in der Eurozone wohnen, ausreichend Geldmittel in Edelmetallen (Gold, Silber) vorrätig halten. Wir sprechen hier von Werten, die sie physisch besitzen, also nicht von Gold-Zertifikaten oder Ähnlichem. Im Gegensatz zu den beliebig vermehrbaren Edelmetall-Zertifikaten kann echtes Gold und Silber nicht einfach gedruckt werden. Es ist bereits jetzt schon knapp und nicht alle werden ihren Anteil bekommen.
© Hubert Roos, SilviOr GmbH