Archiv für September 2008
Endspiel
Der folgende Artikel erschien im Jahr 2003 in “Gold-Boom” und zeigt den Fahrplan auf dem “Highway to Hell”.
Innerhalb von nur zwei Jahren hatte es die Regierung unter George W. Bush geschafft, durch Steuersenkungen und großzügige Förderprogramme einen Haushaltsüberschuss in ein Defizit von noch nie da gewesenen Ausmaßen zu verwandeln. Die meisten Amerikaner hatten der Staatsverschuldung lange Zeit wenig Beachtung geschenkt, obwohl die große Leuchttafel an einer Hauswand nahe dem Times Square in New York für jeden sichtbar von Sekunde zu Sekunde das Schuldenwachstum des Landes zählte. Das amerikanische Staatsdefizit wuchs zeitweise so schnell, dass die letzten Ziffern auf dem Leuchtschild nur noch verschwommen zu sehen waren. An einem Freitag im September 2003 zeigte die Schuldenuhr: „Unsere nationalen Schulden: $ 6 913 377 817 326. Ihr persönlicher Anteil: $ 74 374.“ Noch keine Regierung hatte jemals zuvor in so kurzer Zeit die Staatsfinanzen in solche Unordnung gebracht. Binnen zweieinhalb Jahren waren aus einem Überschuß von 237 Milliarden Dollar ein Minus von über 400 Milliarden geworden – die Kosten für den Irakkrieg nicht eingeschlossen (17).
Die wachsende Verschuldung zieht einen ständig steigenden Anteil der Zinslast am Gesamthaushalt des Staates und der Gemeinden nach sich. Irgendwann ist die Zinslast für die Schuldner so hoch, dass keine freien Mittel mehr für weitere Zinszahlungen oder gar für Rückzahlungen zur Verfügung stehen. Die Staaten verlassen sich darauf, dass die zunehmende öffentliche Verschuldung mit zunehmender Inflation gegenentwertet wird, dass also die Last der Schulden durch eine Verminderung des Geldwertes gesenkt wird. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb die Politiker und Notenbanker das Deflationsgespenst mit allen Mitteln vertreiben wollen. In einer Deflation wird der Geldwert nicht verringert, sondern erhöht und damit können sich die Kräfte zur Entschuldung nicht entfalten. Ab einer bestimmten Verschuldungshöhe gibt es allerdings nur zwei Möglichkeiten für einen Staat. Entweder er macht immer schneller immer höhere Schulden, indem er sich von der Notenbank neues Geld auszahlen lässt, bzw. neue Anleihen begibt, wodurch das bereits vorhandene Geld immer weniger wert wird. Oder er zahlt keine Zinsen mehr und nimmt keine neuen Kredite mehr auf, was letztendlich zum Bankrott führen würde. Beide Möglichkeiten würden höchstwahrscheinlich zu einer Währungsreform führen. Danach würde man für die Altschulden einen Vergleich mit den Gläubigern anstreben. Der Staat hätte eine erhebliche Teilentschuldung erwirkt, die Bürger wären sozusagen teilenteignet worden (18).
Die meisten Käufer von Staatsanleihen haben sich darüber noch keine großen Sorgen gemacht, da der Staat – ganz gleich ob Deutschland oder die USA – immer noch als zuverlässiger Schuldner gilt. Die Mehrheit der Anleger vertraut darauf, dass die Politiker und die Notenbanker alles unter Kontrolle haben. Wenn aber einmal ein kleiner Misstrauensfunke überspringt, kann es sehr schnell passieren, dass private Anleger ihre Gelder dem Staat nicht mehr überlassen wollen. Eine Vertrauenskrise könnte sich heutzutage sehr schnell in eine Finanzkatastrophe verwandeln. Innerhalb von Sekunden können Investoren auf elektronischem Weg ihr Kapital abziehen, wenn ein Staat ein außergewöhnliches Defizit veröffentlicht. Andere Weltregionen können infiziert werden, wenn plötzlich die Meinung aufkommt, dass die Entwicklung zweier Länder ähnlich verläuft oder verlaufen könnte. So kann eine kleine politische Fehlentscheidung in einem Land zu Kapitalflucht und Wirtschaftskrisen in Ländern eines anderen Kontinents führen.
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass bei sich anbahnenden Krisen Gold immer stärker nachgefragt wird. Sein Wert wird voraussichtlich stark steigen und es ist dann eines der sichersten Vermögensaufbewahrungsmittel, wenn man physisches Gold in Form von Barren oder Münzen besitzt. Wenn die Papierwerte wie Anleihen, Aktien, Zertifikate, Bargeld etc. an Wert verloren haben werden, wird Gold seinen Eigentümer in die Lage versetzen, überall bezahlen zu können und neue, lukrative Investitionen zu tätigen, wo die Krise günstige Gelegenheiten geschaffen hat.
© Hubert Roos, “Gold-Boom, Gewinne und Sicherheit mit Gold”, Börsenmedien AG Kulmbach 2003
Silberknappheit
verfasst von Hubert Roos
Seit kurzem macht ein neuer Begriff die Runde: “Silberknappheit”. Viele Investoren fragen sich, was dahinter steckt. Tatsache ist, dass das Angebot an physischem Silber in letzter Zeit immer enger wurde und dass gleichzeitig die Silberkurse in den Keller stürzten. Dies widerspricht dem ökonomischen Gesetz von Angebot und Nachfrage. Tatsache ist auch, dass das amerikanische Finanzsystem vor dem Abgrund steht. Die geplante Verstaatlichung der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac ist ein weiterer Beweis.
Um die Illusion vom sicheren System aufrecht zu erhalten und von den panischen Aktionen hinter den Kulissen abzulenken, wird von einer anderen Seite gegengesteuert. Denn wer zunächst glaubte, dass vor dem Hintergrund einer Finanzkatastrophe Gold und Silber einen ungehinderten Aufstieg erleben würden, der wurde enttäuscht. Inzwischen hat es Methode und es ist ein wichtiger Bestandteil zur Erhaltung des Systems, dass besonders in Zeiten, wo positive Nachrichten für Gold und Silber (d.h. schlechte Finanznachrichten) angesagt sind, genau das Gegenteil von dem eintritt, was man mit gesundem Menschenverstand erwarten würde. Gold und Silber fielen seit dem Bekanntwerden der Probleme von Fannie Mae und Freddie Mac dramatisch, während der Dollar stieg: verkehrte Welt.
Alle diejenigen, die sich darüber wundern, was momentan mit den Silber- und Goldkursen passiert, sollten gelassen bleiben. Das große Geldspiel Monopoly lehrt uns, dass in der Schlussphase nicht das Geld zählt, sondern die physische Ware:
“Der Schlüssel für die Gewinnstrategie in der Schlussphase liegt im Häusermangel (Silber- und Goldmangel), nicht im Geldmangel. Geldmangel kann nicht herbeigeführt werden, da die Bank im Monopoly-Spiel niemals bankrott gehen kann. Wenn keine Scheine mehr da sind, kann der Bankhalter (oder die US-Notenbank) zusätzlich Geld herstellen, indem er die Werte auf kleine Zettel schreibt. Aber zusätzliche Häuser (Silber und Gold) kann die Bank nicht einfach produzieren. Das Häuser- und Hotelangebot (Gold- und Silberangebot) ist begrenzt und wenn es keine Gebäude mehr zu verkaufen gibt, müssen die kaufwilligen Spieler warten, bis ein anderer seine Häuser (oder sein Silber) an die Bank zurückgibt oder an den meistbietenden verkauft.” (Gold-Boom, S. 122 – 123)
Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit haben wir jetzt “Häusermangel”, d.h. das enge Angebot an physischem Silber ist, was es ist: Silberknappheit. Die wichtigste Regel, die für alle Märkte gilt, ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Auch wenn Theodore Butler Recht haben sollte und die „Silber-Manager“ ihre Hände im Spiel haben, kann dieses Grundgesetz für den Silbermarkt nicht für alle Zeiten außer Kraft gesetzt werden. Aufgrund der weiterhin starken Nachfrage und der Tatsache, dass schon seit vielen Jahren der Bedarf aus dem Verzehr von alten Reserven gedeckt wurde, ist anzunehmen, dass wie bei allen Wirtschaftsgütern, bei denen ein Nachfrageüberhang besteht, auch bei Silber der Preis auf mittlere und längere Sicht steigen muss. Und erst dann -jenseits der 50, 100, 200 Dollar – sollten Silberinvestoren daran denken, ihr Silber zu verkaufen.
© Hubert Roos, SilviOr GmbH
Jäger des verlorenen Schatzes
verfasst von Hubert Roos
„Eine ständig wachsende Armee von Investment-Zauberern verbringt ihre Tage damit, Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen, Hypotheken, Währungen, Optionen, Derivate etc. zu handeln.“ Nach Meinung von Marc Faber, dem international renommierten Finanzexperten, der von Hong Kong aus die Märkte beobachtet, sind die Finanzmärkte aufgebläht vom vielen Geld, das in den letzten Jahrzehnten produziert wurde und immer wieder angelegt wird, um noch mehr zu generieren.
Für viele Analysten, Fondsmanager oder Strategen rückt demzufolge die detaillierte Analyse von Unternehmen und gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen immer stärker in den Hintergrund. Stattdessen müssen sie sich immer mehr darauf konzentrieren, was ihre Kollegen in der Finanzindustrie gerade denken und meinen, wie diese positioniert sind und wie sie ihre Positionen in der Zukunft ändern werden. Um ein gutes Anlageergebnis zu erzielen, spielt dabei für einen Anlageprofi die eigene Einschätzung einer Aktie, eines Sektors oder eines Landes eine geringere Rolle als das was die anderen Fondsmanager oder die Investoren im Augenblick darüber denken. So seltsam es klingen mag, wenn ein Analyst eine Unternehmenspräsentation miterlebt, muss er weniger Aufmerksamkeit auf die Aussagen der Firma richten als auf die Reaktionen der anderen Teilnehmer. Wenn diese die Präsentation wohlwollend aufnehmen, werden sie möglicherweise gleich Kauforders platzieren und den Kurs in Bewegung versetzen.
Faber fährt fort: „Für meinen Geschmack sind die westlichen Finanzmärkte zu groß im Vergleich zur realen Wirtschaft und sie müssen noch viel mehr Luft ablassen, als sie es seit dem Jahr 2000 bereits getan haben. Zu viele Schlauköpfe und Schatzjäger tummeln sich in der Finanzdienstleistungs-Industrie, als dass ein durchschnittlicher Investor gute Anlageergebnisse erzielen könnte.“ Was Marc Faber hiermit preisgibt, ist kein Geheimnis, sondern eine Erkenntnis, die nicht wenige Privatanleger nach ein paar Jahren Börsenerfahrung auch schon gewonnen haben. Natürlich möchten alle Investoren Gewinne machen, ganz gleich ob Private oder Institutionelle und die Chancen stehen rein theoretisch 50 : 50. In der Praxis stehen die Privaten jedoch häufiger auf der Verliererseite, weil die Profis mehr Erfahrung, bessere Informationen, billigeres Kapital und größere Kapitalmengen haben.
Mit Techniken wie dem Short-Selling, mit dem gezielten Einsatz von Derivaten und mit enormen Investitionssummen gehen die Investmentprofis in den Finanzmärkten auf Schatzsuche. Viele Privatanleger, die mit dem Handel von Optionen und Optionsscheinen ihr Glück versuchen, wissen oft nicht so recht, wie ihnen geschieht, wenn sie – anstatt ein großes Vermögen anzuhäufen – schlaflose Nächte verbringen, weil ihre Wetten urplötzlich oder nach und nach verfallen. Manchmal schöpfen sie wieder Mut, wenn wieder einmal ein kleiner Erfolg dazwischen kommt, aber in den meisten Fällen sind die Verluste schmerzhaft und größer als die gelegentlichen Gewinne. Sieger in diesen ungleichen Schlachten bleiben die hartgesottenen Player, die die Kleinen das Fürchten lehren.
Solange sich die privaten Investoren auf dem gleichen Terrain wie die Großen bewegen, wird ihre Ausbeute so gut wie immer wesentlich geringer sein. Es gibt jedoch Gebiete, in denen die Profis ihre Überlegenheit nicht mehr so leicht ausspielen können. Den meisten privaten Investoren ist nämlich gar nicht richtig bewusst, dass sie einige Trümpfe besitzen, denen die großen Schatzjäger nichts entgegen zu setzen haben. Wenn sie einige wichtige Grundregeln beachten, können sie ihre Vorteile nutzen und erfolgreich gegen die Profis antreten.
Die wichtigste Regel, die für alle Märkte gilt, ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Auch wenn Theodore Butler Recht haben sollte und die „Silber-Manager“ ihre Hände im Spiel haben, kann dieses Grundgesetz für den Silbermarkt nicht für alle Zeiten außer Kraft gesetzt werden. Aufgrund der weiterhin starken Nachfrage und der Tatsache, dass schon seit vielen Jahren der Bedarf aus dem Verzehr von alten Reserven gedeckt wurde, ist anzunehmen, dass wie bei allen Wirtschaftsgütern, bei denen ein Nachfrageüberhang besteht, auch bei Silber der Preis auf mittlere und längere Sicht steigen muss.
Die zweite wichtige Regel betrifft den Faktor Zeit. Im Kurzfristbereich haben Privatanleger gegen professionelle Trader keine echte Chance. Wer in Zeiträumen von zwei bis drei Monaten – oder noch kürzer – erfolgreiche Geschäfte tätigen will, braucht sehr viel Erfahrung und beste Informationen. Auch im Mittelfristbereich ist es für die Privaten sehr schwer, sich richtig zu positionieren. Im Gegensatz dazu ist es verhältnismäßig leicht festzustellen, ob sich ein Markt hauptsächlich in einem Aufwärtstrend oder in einem Abwärtstrend befindet. Man muss kein Fachmann sein, um anhand eines Charts festzustellen, woher der Wind weht, wenn man längere Zeiträume betrachtet. Den übergeordneten Trend erkennt man in der Regel deutlich, wenn man sich eine Weile mit den Charts der betreffenden Märkte befasst. Im Internet gibt es eine Reihe von informativen und nützlichen Seiten ( z. Bsp. www.kitco.com), die sehr schnell Aufschluss über kurz-, mittel- und längerfristige Trends geben. Wenn man – wie beim Silber – einen längerfristigen Aufwärtstrend erkennen kann, sollte man sich nicht von kurzfristigen Prognosen oder Marktmeinungen irritieren lassen.
An dritter Stelle spielt beim Silber das Short Selling und das Leihgeschäft eine bedeutende Rolle. Die Player in diesem Geschäft setzen riesige Geldsummen ein, um den Preis zu beeinflussen. Sie wollen das Silber gar nicht physisch besitzen, sondern sie wollen den Markt beherrschen und Papiergewinne erzielen. Dieses Spiel kann nur erfolgreich gespielt werden, solange die Geschäfte ausschließlich auf dem Papier oder elektronisch ablaufen. Sobald das echte Metall ge- und verkauft wird, funktioniert dieses Geschäftsmodell nicht mehr. Der Privatanleger kann sich das Wissen um die Leerverkäufe zunutze machen – nicht indem er ebenfalls in solche Geschäfte einsteigt, sondern indem er genau das Gegenteil davon tut. Er kauft sich echtes physisches Silber und besitzt es damit wirklich.
Dieses Silber, das in seinem privaten Besitz ist, kann nicht mehr von Banken verliehen werden. Dadurch, dass er den Banken die Verleihmöglichkeit entzieht, verhindert er, dass die Geldjäger mit geliehener Ware den Preis seines Schatzes drücken können: sein Silber ist in ruhigen Händen und für die Jäger ist es verloren. Damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei Grundregel Nr. 1 angelangt: Angebot und Nachfrage. Wenn echtes Silber gekauft wird, steigt die Nachfrage. Mit dem Kauf des physischen Silbers und dessen Aufbewahrung an einem ruhigen Ort verringert sich gleichzeitig das Angebot. Auf diese Weise wird den Spekulanten Schritt für Schritt die Grundlage für ihr Geschäft entzogen.
Als Privatanleger kann man Gewinne mit Silber erzielen, wenn man sich seiner Sache sicher ist und sich nicht von den Schwankungen des Marktes irritieren lässt. Wer echtes Silber in Form von Barren oder Münzen besitzt, steht nicht unter Druck wie die Käufer von Futures, Optionen und anderen Derivaten mit Verfallsdatum, die in kurzen Zeiträumen von wenigen Wochen oder Monaten agieren müssen. Solange man auf den langfristigen Charts erkennen kann, dass der Haupttrend in die gewünschte Richtung zeigt, braucht man sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
© Hubert Roos, Big Silver – Gewinnbringend investieren mit Silber, Böresenmedien AG 2003, erhältlich bei Amazon