Archiv für Juni 2008

Panik nach der Olympiade?

Jetzt: Gold kaufen, Silber kaufen.

Die große Inflation im 21. Jahrhundert hat ein neues Gesicht: Ben Bernake hat Alan Greespan als “Magier des Geldes” abgelöst, aber von Zauber ist nichts mehr zu spüren. Als die USA eine systematische Politik der Dollarschwäche begannen, geschah dies mit dem Ziel, das US-Außenhandelsdefizit zu reduzieren und den Wert ihrer in Dollar notierten Auslandsschulden zu verringern. Diese Politik hat sich nun als große Gefahr für die USA herausgestellt: die Überschwemmung der Finanzmärkte mit US-Dollar hat bei den Gläubigern eine Flucht aus ihren Dollarwerten ausgelöst.

Die Geldspieler Bernanke und Paulson versuchen zusammen mit Prediger Bush die Finanzmärkte zu beruhigen, aber das hilft dem Dollar nicht mehr. Er wird weiterhin auf Talfahrt gehen und viele Marktteilnehmer und deren Finanzwerte mit sich in die Tiefe reißen. Der Kursverfall wird sich fortsetzen, obwohl einflussreiche Player und Institutionen auch weiterhin versuchen werden, das Märchen von einem starken Dollar und einer nachhaltigen Trendumkehr zu verbreiten.

Die Hauptgläuber der USA haben das Vertrauen in den Dollar schon längst verloren, aber so richtig deutlich will es noch keiner sagen – aus Angst davor, dass dann das ganze Kartenhaus aus wertlosem Papiergeld in sich zusammen fällt. Die Japaner sitzen auf ca. 28 % der Dollar US-Schulden. Sie würde es am heftigsten treffen, wenn der Dollar seinen Geist aufgibt. Auch die Chinesen sind gut dabei: sie sitzen auf rund 19%, Großbritanniern etwa 10% und die Ölexporteure haben knapp 6% in ihren Büchern.

Momentan wird auf Zeit gespielt. Den Beruhigungsformeln der Paulsons, Bernankes und Bushs wird keine wahre Bedeutung mehr zugemessen. Sie dienen nur noch dazu, um eine Verschnaufpause zu haben – ein paar Wochen zu gewinnen, damit einige große Gläubiger wie China und Japan auf die Schnelle noch ein paar Hundert Milliarden Dollar abstoßen können, bevor deren Wert weiter absackt.

Selbst die Amerikaner glauben ihren Führern nicht mehr. Sie haben das Vertrauen in ihr eigenes Geld verloren. Langsam macht sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein Gefühl von Angst breit: Angst vor etwas, das den Amerikanern in ihrer Landesgeschicht bisher noch nie passiert ist – nämlich einer massiven und sehr schellen Abwertung der nationalen Währung, die sogar auf die Schaffung eines “Neuen Dollars” hinaus laufen könnte. Angst vor einer Abwertung, wie es in den meisten anderen Ländern der Erde schon passiert ist – im Verhältnis 1 zu 10, 1 zu 100 oder sogar 1 zu 1.000.

Wenn Washington wirklich den Dollar stabilisieren oder gar im Verhältnis zu anderen Währungen wieder stärken wollte, müsste die schrankenlose Geldschöpfung sofort eingestellt werden und die US-Leitzinsen müssten erhöht werden. Mit diesen Maßnahmen würde die Real- und Finanzwirtschaft innerhalb weniger Wochen zum Erliegen kommen. Der Immobilienmarkt würde mangels bezahlbarer Kreditkonditionen vollständig kollabieren, der Privatkonsum wegen der gestiegenen Zinsen für Verbraucherkredite und Kreditkarten einbrechen und die Unternehmensinsolvenzen explodieren.

Diese Folgen sind für keine US-Regierung hinnehmbar. Deshalb werden die Politiker und Notenbanker weiterhin Lippenbekenntnisse abgeben und zügig in die Hyperinflation weitermarschieren. Ab Ende August, sobald die Olympischen Spiele in Peking pracht- und prunkvoll abgeschlossen sind, kann es ungemütlich werden. Dann stehen die Chinesen nicht mehr unter Druck, dass alles nett und schön sein muss. Das freie Spiel der Kräfte kann auf dem Finanzmarkt nach neuen Spielregeln gespielt werden und China kann Dollars in großem Stil abstoßen. Rette sich wer kann – wer Gold und Silber hat, kann sich glücklich preisen. Wer noch nicht investiert ist: Gold kaufen, Silber kaufen – jetzt !

© Hubert Roos, SilviOr GmbH

Aktiencrash bis September – Gold bis $ 5.000?

Bank warnt Kunden, Investmentbank spricht für Gold.

Am 18. Juni 2008 hat die RBS – Royal Bank of Scotland, ein renommiertes britisches Geldhaus, eine ungewöhnlich klare Ansage gemacht: sie warnte ihre Kunden vor einem weltweiten Aktien- und Kredticrash bis September 2008. In der großen englischen Zeitung “The Telegraph” erschien folgender Artikel:

RBS issues global stock and credit crash alert

Die Kernaussage: Die Bank rechnet innerhalb der nächsten 3 Monate mit einem dramatischen Einbruch der Aktienkurse. Die Notenbanken sind im “Panik-Modus”. Die RBS veröffentlicht diese Warnung, um ihre Kunden vor finanziellem Schaden zu bewahren.

Der Chef-Ökonom der Citigroup bezeichnete die Maßnahme der RBS als unverantwortlich – vielleicht wären die Kunden der Citigroup und anderer Banken froh, wenn sie gewarnt worden wären.

Am 19. Juni veröffentlichte Schroder Investment Management Ltd, die ein Vermögen von 277 Milliarden Dollar verwalten, eine Prognose, wonach Gold in den nächsten Jahren bis $ 5.000 steigen wird. Es ist das erste Mal, dass eine Kursprognose in dieser Größenordnung nicht von sogenannten “Gold-Bugs”, sondern von einer etablierten Investmentgesellschaft im Rahmen einer Pressekonferenz gemacht wurde:

Gold May Rise to $5,000 on Inflation, Schroder Says

Nach Aussagen von Schroders sind festverzinsliche Anlagen angesichts niedriger Zinsen und hoher Inflationsraten keine geeigneten Instrumente, um Vermögen zu sichern. Die Nachfrage nach Gold wird daher zunehmen – vor allem weil inzwischen Notenbanken wieder zu Netto-Käufern werden.

Im vergangenen Jahr sank die Goldproduktion auf den niedrigsten Stand seit 1973, während die Investment-Nachfrage enorm zulegte. Bereits geringe Umschichtungen aus Aktien und anderen Anlageklassen werden große Auswirkungen auf die Kursentwicklung der Edelmetalle haben.

© Hubert Roos, SilviOr GmbH

20. Juni – Gedenktag für Geldvernichtung

Die D-Mark vernichtete Vermögen – der Mythos lebt weiter.

verfasst von Hubert Roos

Vor 60 Jahren, am 20. Juni 1948, kam die D-Mark unters Volk. Die neuen Banknoten waren von Oktober 1947 an in den Vereinigten Staaten gedruckt worden und wurden bis April 1948 in 5000 Holzkisten nach Frankfurt am Main transportiert. Banknoten im Gewicht von 500 Tonnen und im Nennwert von 5.7 Milliarden Deutsche Mark wurden in den Verkehr gebracht.

Schon gleich nach dem zweiten Weltkrieg war jedem klar, dass die während des Krieges betriebene maßlose Geldmengenvermehrung beseitigt werden musste. Mehr als 250 verschiedene Reformpläne hatte es seit 1945 gegeben, darunter auch der sogenannte “Homburger Plan” von Ludwig Erhard. Zur Umsetzung kam ein Plan aus den Schubladen der alliierten Militärregierung, um mit einer Währungsreform die Wirtschaft in den von ihnen besetzten Zonen weiter anzukurbeln. Die Sanierung der Kriegsinflation war ein wichtiger Schritt, die Wirtschafts- und Ordnungspolitik weiter voran zu bringen. Wie auch immer die Neuordnung der Wirtschaft aussehen sollte, eine Sanierung der Währung war die Grundvoraussetzung.

Das Währungsgesetz sah den Umtausch von Reichsmark in die neue “Deutsche Mark” im Verhältnis eins zu eins vor, allderdings konnte jeder Bürger zunächst nur 40 DM in bar eintauschen, einen Monat später noch einmal 20 DM. Löhne und Mieten wurden eins zu eins umgerechnet, Bargeld und Sparguthaben im Verhältnis 100 Reichsmark zu 6,50 DM. Mit dieser Vorgehensweise wurden insgesamt 93,5 Prozent des alten Reichsmarkvolumens aus dem Verkehr gezogen, so dass den Sparern nur noch 6,5 Prozent ihres Geldvermögens blieben. Dies war der schärftste Währungsschnitt in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Als die Deutsche Mark nach mehr als 50 Jahren dem Euro Platz machen musste, entstand der Mythos von den guten alten Zeiten mit der D-Mark. Noch heute , sechs Jahre nach ihrem endgültigen Abgang, trauern viele Deutsche ihr nach. Dabei wissen viele DM-Fans gar nicht, dass die Schlussbilanz der D-Mark gar nicht so glänzend war. Über ihre gesamte Lebensspanne von 1948 bis 2001 musste sie eine durchschnittliche Inflationsrate von 3 Prozent hinnehmen – klingt nicht viel in den heutigen Zeiten explosionsarter Kostensteigerunggen durch teures Öl, Gas, Lebensmittel etc. – ist aber gewaltig, wenn man es aufsummiert. Insgesamt hatte die D-Mark innerhalb von etwas mehr als fünfzig Jahren fast 75% ihres Wertes verloren.

Der Gewinner der Inflation ist immer der Staat. Die Verlierer sind alle Privatleute, die sich ein Vermögen aufgebaut haben und deren Geld entwertet wird. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern weltweit hoch defizitäre Staatshaushalte und große Leistungsbilanzdefizite sind die Ursache einer zukünftig stark ansteigenden Inflation in allen Ländern. Die Flucht in ausländische Anlagen bringt daher keine richtige Lösung des Problems. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in inflationären Phasen echte, greifbare Werte wie Gold und Silber sichere und gewinnbringende Anlageformen sind, wenn der Wert des Geldes schwindet.

© 2008 Hubert Roos, SilviOr GmbH

Der große Crash 1929

Ähnlichkeiten rein zufälliger Natur

verfasst von Hubert Roos am 12. 6. 2008

Eine der Kernfragen, die im Zusammenhang mit der aktuellen Situation an den Finanzmärkten immer wieder gestellt wird, ist die, ob sich die Geschichte von 1929 wiederholt. Während man zu einem eindeutigen Ergebnis mit Sicherheit erst im Nachhinein kommt, so kann man doch in politischen, sozialen und wirtschaftlichen Dingen feststellen, dass ähnliche Umstände zumindest teilweise zu ähnlichen Folgen führen.

Ein wichtiger Faktor, der zum Crash 1929 führte, war das Spekulationsverhalten und der damit verbundene Optimismus in den Jahren vor dem Krach. Der Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith schrieb hierzu: “Zusätzlich zu den positiven – und auch lobenswerten – Eigenschaften entwickelten die Amerikaner geradezu eine Sucht, sehr schnell reich zu werden, und das mit einem mindestmaß an echter Leistung. Dieser Charakterzug wurde zum ersten Mal in Florida deutlich.” Mitte der zwanziger Jahre griff in Miami , an der Ostküste und in den Städten entlang des Golfs ein regelrechter Grundstücks-Boom um sich. Ausgangspunkt dieses Booms, der zu einem regelrechten Spekulationsschwindel wurde, war das angenehme, milde Klima der Region. Höhere Einkommen und bessere Reisemöglichkeiten machten es für die Bewohner des kalten Nordens möglich, dem harten Winter nach Süden zu entfliehen.

Auf dieser Tatsache wurde eine Scheinwelt aufgebaut: die Menschen wollten glauben, dass die ganze Halbinsel innerhalb kürzester Zeit von Feriengästen und Sonnenanbetern überschwemmt würde und dass der Ansturm so groß sein würde, dass nicht nur die Küstenregion, sondern auch die Sümpfe, Moore und das Gestrüppland bald sehr wertvoll werden würden. In Florida wurde damit begonnen, das Land in Bauplätze aufzuteilen und gegen eine Anzahlung von 10 Prozent zu verkaufen. Die Tatsache, dass ein Großteil des unwirtlichen Geländes den Maklern ebenso unsympathisch war wie den Interessenten, die auftauchten, störte nicht wirklich, denn die Käufer wollten dort ja gar nicht leben.

Der Grund und Boden in Florida wurde tagtäglich wertvoller, so dass Grundstücke schon nach 14 Tagen mit ordentlichem Gewinn weiter verkauft werden konnten. Durch den mit der Bodenspekulation verbundenen Bau-Boom war schließlich der Straßenverkehr so überlastet, dass sich die Behörden im Herbst 1925 veranlasst sahen, ein Beförderungsverbot für weniger wichtige Frachtgüter zu erlasssen. Die Grundstückspreise stiegen immer weiter, aber plötzlich – im Frühjahr 1926 – begannen sie zu fallen. Zunächst konnte noch das Verkaufsgeschick der Grundstücksmakler die schlechter werdenden Aussichten ausgleichen, doch im Herbst 1926 kam das endgültige Aus. Zwei Hurrikans beendeten den Grundstücks-Boom. Der schlimmere dieser beiden Wirbelstürme kostete am 28. September 1926 rund 400 Menschen das Leben, deckte Tausende von Dächern ab und peitschte elegante Jachten an die Ufer von Miami.

John Kenneth Galbraith schreibt dazu: “Der Florida-Boom war das erste Anzeichen für die Richtung, die die ganzen zwanziger Jahre nahmen. Zudem schürte er die Überzeugung, dass der liebe Gott anscheinend beabsichtigte, die amerikanische Mittelklasse reich zu machen.” Lesen Sie weiter in Galbraiths Buch “Der große Crash 1929″ und informieren Sie sich, wie es weiter ging bis zum bitteren Ende.

Galbraith wurde am 15. Oktober 1908 in Iona Station in der kanadischen Provinz Ontario geboren. Nach Aufnahme seines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums am Ontario Agricultural College 1931 wechselte er nach Kalifornien, wo er 1934 an der renommierten Universität Berkeley promovierte. 1937 nahm er die US-Staatsbürgerschaft an und lehrte später an der Eliteuniversität Harvard. Galbraith gehörte dem Beraterstab der demokratischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy an. Unter Roosevelt war er mit Inflationskontrolle betraut. Nach dem Zweiten Weltkrieg beriet er die Verwaltungen in den besetzten Ländern Deutschland und Japan. Kennedy ernannte den Querdenker später zum Botschafter in Indien, wo Galbraith von 1961 bis 1963 US-Interessen vertrat. Er starb 2006 im Alter von 97 Jahren. Galbraith veröffentlichte zahlreiche Schriften und Bücher. “Der große Crash” war eines seiner bedeutendsten Werke.

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