Archiv für die Kategorie „Rückblick“

Zentralbanken manipulieren Goldpreis

Viele Gründe können aufgezeigt werden, weshalb Gold in den letzten Jahren so stark an Wert gewonnen hat und sich auch in Zukunft sehr positiv entwickeln wird. Dazu zählen steigende Rohstoffpreise im Allgemeinen, die Sorge vor steigender Inflation bis hin zu Ängsten von Hyperinflation, geopolitische Risiken oder die Angst vor einem Dollar-Crash. Während alle diese Punkte sicherlich zutreffend sind und jeder von ihnen eine Rolle in der Kursentwicklung der letzten Jahre gespielt hat, wurde bisher jedoch der wichtigste Kernpunkt in der öffentlichen Diskussion ausgespart: die Zentralbanken Europas und der USA als größte Player im Goldmarkt haben inzwischen fast die Hälfte ihrer Goldreserven veräußert und die breite Öffentlichkeit weiß noch nichts davon.

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Gold und Silber vor dem Ausbruch?

Gespräch mit Hubert Roos

Hubert Roos im Gespräch mit dem rohstoffSPIEGEL, Ausgabe 08/2007:

Gold und Silber vor dem Ausbruch?

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Der Silberpreis kann sich verdoppeln

Im Gespräch mit dem AKTIONÄR, 16.11.05:

Rohstoffexperte Hubert Roos rechnet mit weiter anziehenden Kursen bei Gold und Silber. Im AKTIONÄR erläutert er seine Gründe.

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Geld in Gefahr

Zum vierten Mal in Folge muss Deutschland im Herbst 2004 einen Offenbarungseid leisten. Das deutsche Haushaltsdefizit wird im Jahr 2005 erneut höher sein als von der EU erlaubt und zugleich steigt die gesamtwirtschaftliche Verschuldung weiter und rückt in die fast unvorstellbare Größenordnung von 1,5 Billionen Euro.

Wer die Entwicklung der D-Mark von der Währungsreform bis zur Einführung des Euro beobachtet, stellt fest, dass unser ehemaliges Geld innerhalb von gut fünfzig Jahren fast drei Viertel seiner Kaufkraft verloren hatte. Dem Dollar ging es noch schlechter. Allein in den letzten zwei Jahren büßte er über 20 Prozent seines Wertes ein.

Die wachsende Verschuldung der Staaten zieht einen ständig steigenden Anteil der Zinslast am Gesamthaushalt nach sich. Irgendwann ist die Last der Schulden so hoch, dass keine freien Mittel mehr für weitere Zinszahlungen oder gar für Rückzahlungen zur Verfügung stehen. Die Staaten verlassen sich darauf, dass die zunehmende öffentliche Verschuldung mit zunehmender Inflation gegenentwertet wird.

Ab einer bestimmten Verschuldungshöhe gibt es allerdings nur zwei Möglichkeiten für den Staat. Entweder er macht immer schneller immer höhere Schulden, indem er sich von der Notenbank neues Geld auszahlen lässt, bzw. neue Anleihen begibt, wodurch das bereits vorhandene Geld immer weniger wert wird. Oder er zahlt keine Zinsen mehr, was letztendlich zum Bankrott führen würde. Beide Möglichkeiten würden tiefgreifende Auswirkungen auf das private Vermögen aller Anleger haben.

Die Mehrheit der Anleger vertraut darauf, dass die Politiker und die Notenbanker alles unter Kontrolle haben. Wenn aber einmal ein Misstrauensfunke überspringt, kann es sehr schnell passieren, dass private Anleger ihre Gelder dem Staat nicht mehr überlassen wollen. Eine Vertauenskrise könnte sich heutzutage sehr schnell in eine Finanzkatastrophe verwandeln. Innerhalb von Sekunden können Investoren auf elektronischem Weg ihr Kapital abziehen.

Eine politische Fehlentscheidung in einem Land oder ein unvorhergesehenes dramatisches Ereignis kann zu Kapitalflucht und Wirtschaftskrisen in Ländern eines anderen Kontinents führen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass in solchen Situationen echte, greifbare Werte wie Gold, Silber und andere Edelmetalle stärker nachgefragt werden. Ihr Preis wird voraussichtlich stark steigen und es sind die sichersten Vermögensaufbewahrungsmittel, wenn der Wert des Geldes schwindet.

Günstiger investieren als Warren Buffett

Viele Argumente sprechen für Silber. Wer investiert, befindet sich in guter Gesellschaft.

Lesen Sie den aktuellen Beitrag von Hubert Roos in “Der Aktionär”.

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Rohstoff-Boom: Die hungrigen Zwillinge

Jeder kennt das alte Sprichwort: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“. Unter Finanzexperten herrscht immer noch Streit darüber, welcher Megatrend die nächsten Jahre bestimmen wird. Bei der Frage, ob wir in einen neuen Zyklus der Deflation oder der Inflation einsteigen, könnte es sein, dass keiner der Anhänger dieser gegensätzlichen Szenarien Recht behält oder dass jeder teilweise richtig liegt.

Klar ist, dass sich die Finanzmärkte umordnen. Entscheidend für eine erfolgreiche Anlagestrategie ist es deshalb, die Hauptströmung der kommenden Jahre zu erfassen und sich dann in den dazu passenden Anlage-Klassen zu positionieren. Leichter gesagt, als getan! Denn je nach vorherrschendem Szenario entwickeln sich die verschiedenen Investmentkategorien wie Aktien, Anleihen und Immobilen positiv oder negativ. Wie kann man die Zeichen der Zeit erkennen und richtig deuten?

Möglicherweise pendeln die Märkte in der Zukunft über unterschiedliche Zeiträume immer wieder zwischen den grundsätzlich kontroversen Extremen der Inflation und der Deflation. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Finanzmärkte bei ihrer Einschätzung irren, dürfte deutlich zunehmen, da für eine Situation, wie wir sie jetzt haben, keine Erfahrungswerte aus der Vergangenheit vorliegen. Eine unmittelbare Folge daraus könnten ungewöhnlich hohe Schwankungen der Finanzmärkte sein.

Anleger müssen daher zukünftig mehr Zeit und Gedanken in die Entwicklung ihrer Anlagestrategien investieren, um falsche Vermögenspositionierungen zu vermeiden. Die Auswahl optimaler Investments sollte zum Ziel haben, überraschende Marktentwicklungen abzufedern. Dafür müssen die zur Verfügung stehenden Anlageklassen gezielt auf ihre Verhaltensmuster in den verschiedenen Risikobereichen (Inflation, Deflation) überprüft werden. Bestimmte Anlageklassen sollten deutlich untergewichtet werden, andererseits sollten Investmentkategorien, die gegen den Strom schwimmen, aufgenommen werden.

Dazu zählen sicherlich Rohstoffe, auch „Commodities“ genannt. Der Reiz dieser alternativen und bisher von den meisten privaten Investoren nicht genutzten Anlageform liegt vor allem in ihrer Eigenschaft, dass sie sich meist gegenläufig zu den Hauptanlagemärkten verhält. Dies ermöglicht ein ausgeglicheneres Chancen-Risiko-Profil des Portfolios und optimierten, profitablen Kapitaleinsatz.

Rund 20 Jahre lang fielen die Rohstoffpreise und unter diesen Bedingungen wagten sich verständlicherweise nur wenige Investoren an den Sektor heran. In den meisten Depots ist der Rohstoffbereich allenfalls durch Aktien der Ölmultis vertreten. Inzwischen entdecken immer mehr Banken Rohstoffe und Edelmetalle als Kapitalanlage und raten ihren Kunden zum Kauf. Diejenigen, die frühzeitig investiert waren, konnten schon stattliche Gewinne erzielen.

Dennoch ist es für Anleger noch nicht zu spät einzusteigen, denn in der Vergangenheit sind die Rohstoffmärkte alle 20 bis 30 Jahre in eine Hochphase eingeschwenkt, die jeweils viele Jahre dauerte. Ausgehend von charttechnischen Indizien startete der neue Aufwärtstrend für Rohstoffe im Jahr 2001 und zeigt Ausmaße und Dynamik wie in der großen Aufwärtsbewegung der Siebziger Jahre. Hinzu kommt, dass wir aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vor einer Situation stehen, die viele Anleger in ihrer vollen Dimension noch nicht begriffen haben.

Allein Indien und China zusammen beherbergen über 40 Prozent der Erdbevölkerung. Zwei Länder mit 2,5 Milliarden Einwohnern, die Mehrzahl gebildet und strebsam. Sie formen ihre Volkswirtschaften um – von armen Agrarnationen in neue Industriemächte. Aus diesen neuen, riesigen Wirtschaftsräumen werden Abermillionen von Konsumenten die Ressourcen unserer Erde anzapfen.

Seit Mitte der Zwanziger Jahre hat sich weltweit der Pro-Kopf-Verbrauch von Kupfer, Energie, Stahl und Bauholz verdoppelt. Der Zementverbrauch hat sich vervierfacht, ebenso wie die Zahl der Automobile im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Der Einsatz von Kunststoffen hat sich verfünffacht, der Pro-Kopf-Verbrauch von Aluminium versiebenfacht und die Flugreisen pro Person haben sich verdreiunddreißigfacht. In seinem Buch „Wie viel ist genug?“ teilt der Zukunftsforscher Alan Durning die Welt in drei Gruppen ein, entsprechend ihrem Wohlstand. Er nennt sie „Konsumenten“, „Mittelklasse“ und „Arme“.

Die „Konsumenten“ machen etwas mehr als eine Milliarde der rund 6 Mrd Menschen aus. Die meisten von ihnen leben in Westeuropa, Japan und den USA. Die „Armen“ haben ungefähr die gleiche Anzahl, sie leben hauptsächlich in Afrika. Knapp 4 Mrd. Menschen zählt Durning zu der „Mittelklasse“, die in Indien, China und Lateinamerika leben und in Zukunft den größten Hunger nach Rohstoffen haben. Sie entwickeln ihre Volkswirtschaften und werden im Laufe der Zeit ebenfalls zu „Konsumenten“. Der Konsum-Hunger von zwei Ländern wie Indien mit 1,1 Milliarden und China mit 1,3 Milliarden Menschen ist gigantisch.

Bei diesen Perspektiven taucht immer wieder die bange Frage auf, wie lange das exorbitante Wirtschaftswachstum in Asien so weitergehen kann und ob der Boom, vor allem der China-Boom, nicht bald zu Ende gehen wird. Die meisten Beobachter, allen voran die Insider aus der Region sehen langfristig keine Gefahr. Im Gegenteil. Auch wenn es in der Zukunft zu Überhitzungserscheinungen kommen kann, so ist die Asien-Story noch lange nicht vorbei. Der Westen ist in einer sehr prekären Situation, weil China, Indien, Vietnam und andere Länder im Produktionsbereich so stark sind und viele Dienstleistungen ausgelagert werden können.

China und Indien haben über Jahrzehnte hinaus erhebliche Reserven, um ihr hohes Wachstum fortzusetzen. Die Urbanisierung bringt allein in China in den nächsten zehn Jahren über 200 Millionen Bauern in die Ballungsgebiete. Eine Bevölkerung im Umfang von ganz Europa wird umgestülpt und setzt enormes Wachstum frei. Im chinesischen und indischen Hinterland gibt es Provinzen, die teilweise so groß sind wie europäische Staaten, von denen aus noch viele Jahre lang ungezählte Arbeitskräfte in die Wachstumsregionen ziehen werden. Fabriken werden auf absehbare Zeit weiterhin sieben Tage die Woche rund um die Uhr laufen.

Die Grenzen des Wachstums liegen in anderen Bereichen. In China ist Wasser extrem rar geworden, massive Stromknappheit beeinträchtigt vielerorts die Produktion. Der Energiemangel kann nur über Jahre hinweg und nur mit größter Anstrengung behoben werden. China baut seine Infrastruktur massiv aus, um dem Ansturm der ausländischen Investoren Herr zu werden. Die von städtischen Behörden in Planung gegebenen 3800 Industrieparks sollen mit 36000 Quadratkilometern Fläche eineinhalb Mal größer werden als alle urbanisierten Gebiete des Landes.

Die interessanteste Frage ist daher nicht, wie viel Rohstoffe und Energie in Zukunft benötigt werden, sondern zu welchen Preisen die Ressourcen zu bekommen sind. Wenn die Nachfrage steigt und das Angebot abnimmt oder stagniert – die Produzenten können das Angebot innerhalb kurzer Zeit nicht wesentlich erhöhen – müssen die Preise ordentlich zulegen. Bei einer Verdoppelung der Nachfrage würden sich dann die Preise nicht nur verdoppeln, sondern sie würden sich in weitaus größeren Schritten erhöhen.

Die Investment-Zauberer kochen ihre Süppchen

Der Zusammenbruch von zahlreichen einst respektierten Unternehmen in den USA und Europa während der vergangenen Jahre hat das Vertrauen sehr vieler Anleger in die Finanzmärkte in ihren Grundfesten erschüttert. Menschen, die sich normalerweise nicht allzu viele Gedanken über die Kapitalmärkte machen, beginnen langsam, sich um ihre Ersparnisse und ihre Altersversorgung Sorgen zu machen. Aber kaum sind die Auswüchse des Dotcom-Booms vergessen, formiert sich ein Heer von cleveren Investment-Zauberern für den nächsten großen Feldzug gegen die Privatanleger.

Nichts scheint für Finanzinstitutionen derzeit reizvoller und lukrativer zu sein, als Hedge-Fonds aufzulegen und Anleger mit 10 bis 15-prozentigen Renditeerwartungen in guten wie in schlechten Börsenzeiten zu locken. Die Gründung eines Hedge-Fonds muß sicherlich eine verführerische Idee für Banken und Investmentbanken sein. Die erzielbaren Gewinne mit exorbitanten Gebühren und Provisionen scheinen unwiderstehlich. Aber die Risiken für den guten Ruf der Geldhäuser und das zukünftige Vertrauen oder Misstrauen der Anleger sind nicht weniger beachtenswert.

Nach dem Debakel des Long Term Capital Management Hedge Fund (LTCM-Krise) im Jahr 1998 hielten sich die Banken deutlich zurück, was die Beratung und den Verkauf von Hedge- Fonds anbelangte – es gab ja auch genug mit der Internet-Euphorie zu verdienen. Die Furcht vor eigenen Kapitalverlusten und Konflikten mit unzufriedenen Kunden bremsten das Hedge-Fonds Geschäft. Aber die außergewöhnlichen Marktbedingungen der letzten Jahre veränderten die Situation grundlegend: in fallenden oder seitwärts tendierenden Märkten sind mit den üblichen Anlageformen und den durchschnittlichen Kunden keine großen Gewinne mehr zu erzielen.

Mit Hedge-Fonds jedoch eröffnen sich den Banken neue Geschäftsfelder, die den mit Internet-Aktien gebrannten Anlegern nun das in Aussicht stellen, was die meisten von ihnen mit den High-Tech-Papieren nicht erreicht haben. Und wer möchte den tollen Renditeversprechungen unabhängig vom guten oder schlechten Marktumfeld nicht gerne Glauben schenken? Sicher ist in jedem Fall, dass die Hedge-Fonds Betreiber oder –Partner ausgezeichnet daran verdienen und im Regelfall mehr Freiheiten und weniger Stress haben, als die klassischen Fonds-Manager, die sich an viele Auflagen halten müssen.

Daher ziehen es auch nicht wenige ehemalige Fonds-Manager und Investment-Banker vor, in das Hedge-Lager überzuwechseln. Nicht nur weil die Vergütungen und Boni deutlich höher sind, sondern weil die große Managerfreiheit und das Abenteuer winken. Dies hat naturgemäß spürbare Auswirkungen in Form von geringer werdenden Einnahmen der klassischen Fonds und deshalb versuchen die Institute, ihre Fonds-Experten zu halten oder, falls dies nicht möglich ist, weiterhin in deren neuem Arbeitsbereich mit ihnen zusammen zu arbeiten. Als Folge davon haben manche Investmentbanken ganze Kolonien von ehemaligen Angestellten bei Hedge-Fonds oder als selbständige Kooperationspartner.

Solche Verflechtungen haben einen gewissen Charme: Hedge-Fonds bringen bei einigen Banken bereits bis zu 30 Prozent des Gebührenaufkommens und die Abwanderung von Ex-Angestellten in die Hedge-Branche bringt gewisse Vorteile. Die Banken haben zwar Mitarbeiter verloren, aber dafür oft loyale und lukrative Kunden für ihr Geschäft gewonnen. Dennoch können solche Verbindungen gefährlicher sein, als die meisten Banken wahrhaben wollen, denn dadurch konzentrieren sich ihre Operationen in erheblichem Umfang und wenn ein führender Großkunde Probleme bekommt, wird dies nicht spurlos an den Banken vorbeigehen.

Außerdem macht es die immer stärker wachsende Zahl von Hedge-Fonds immer schwieriger, außergewöhnlich gute Anlageergebnisse zu erzielen. Es besteht durchaus das Risiko einer Übersättigung des Marktes mit solchen Anlagevehikeln, die von experimentierfreudigen Investmentbankern und Fonds-Managern gegründet werden. Hinzu kommt, dass sich viele Hedge-Fonds-Manager recht gut kennen, da sie nicht selten Seite an Seite in der gleichen Ex-Firma gearbeitet hatten. Dies führt dazu, dass sich ihre Arbeitsmethoden und Strategien nicht mehr signifikant voneinander unterscheiden und dass alle versuchen, mit mehr oder weniger ähnlichen Mustern Anlageerfolge zu erzielen – was mit zunehmendem Fonds-Angebot immer härter werden dürfte.

Und wenn die Bedingungen immer härter werden, steigt automatisch die Versuchung, neue Mittel, Wege und Tricks für eine bessere Performance und größere Gewinne zu finden – wenn es nicht mehr anders geht, helfen ein paar kleine Insidergeschäfte. Die Fonds-Branche hat diesbezüglich schon Erfahrungen gesammelt und ein geschlossener Club von Bankern, Investment-Bankern, Kollegen, Ex-Kollegen, Fonds-Managern und Hedge-Fonds-Managern hat allemal bessere Karten als die privaten Investoren.

Die 10-Milliarden Briefmarke

Bill Gross, der wohl mächtigste Fondsmanager der Welt, verwaltet fast 400 Milliarden Dollar für die auf Anleihen spezialisierte Investmentgesellschaft Pacific Investment Management Company (Pimco), die im Mai 2000 von der Allianz mehrheitlich übernommen wurde. In einem kürzlich geführten Interview mit dem Handelsblatt (Ausg. 28.6.2004) sagte er: „ Ich habe eine deutsche Briefmarke über zehn Milliarden Reichsmark von 1927. Damit haben die Deutschen den historischen Beweis geliefert, dass man nicht durch Geld-Drucken reich werden kann.“

Die harte Realität des Wirtschaftslebens zwingt den Staat leider das zu tun, was er seinen Bürgern verbietet und was nachweislich nicht zu mehr Wohlstand führt: Geld zu drucken. Diese Nachricht ist sicherlich ein Schock für alle diejenigen, die den Staat als Hüter des Geldes und gleichzeitig als Garantiegeber für allgemeinen Wohlstand ansehen. Aber Geld zu drucken ist nun einmal viel einfacher und bequemer, als neue Arbeitsplätze zu schaffen, Waren zu produzieren oder Dienstleistungen zu erbringen.

Die Aufnahme von Darlehen durch den Staat ist nichts anderes als die Schaffung neuen Geldes und durch die steigende Staatsverschuldung wird das Geld der Menschen, die es durch Arbeit erworben haben, in seinem Wert gemindert. Die Staaten verlassen sich darauf, dass die zunehmende öffentliche Verschuldung mit zunehmender Inflation gegenentwertet wird, dass also die Last der Schulden durch eine Verminderung des Geldwertes gesenkt wird.

In den 53 Jahren ihres Bestehens verlor die Deutsche Mark (DM) laut Angaben des statistischen Bundesamtes ca. 75 Prozent an Wert. Der US-Dollar verlor in den letzten einhundert Jahren etwa 95 Prozent seiner Kaufkraft. Aufgrund der wirtschaftlichen Probleme betreiben die Notenbanken seit Jahren eine Politik des billigen Geldes und überschwemmen die Märkte mit Liquidität. Was als Rettung für die Wirtschaft gedacht ist, führt jedoch zwangsweise über kurz oder lang zur Inflation und damit zur Vermögensvernichtung.

Mit niedrigen Zinsen und billigem Geld wurden nach der Aktienblase neue Spekulationsblasen aufgepumpt, zum Beispiel am US-Immobilienmarkt. Gerade darin liegt die eigentliche Gefahr des billigen Geldes, weil die Verschuldung der Bürger und des Staates in noch nie erreichte Dimensionen gewachsen ist. Der Schub, den die lockere Geldpolitik und die hohen Ausgabendefizite der Wirtschaft gebracht haben, wird in ein bis zwei Jahren nachlassen und die Verschuldungseffekte werden auf die Wirtschaft und das Finanzsystem durchschlagen.

Auch wenn nun nach und nach wieder höhere Zinsniveaus eingestellt werden, sind damit die Gefahren nicht gebannt. Bill Gross sieht mit den steigenden Zinsen schwierigere Zeiten kommen: „In einer Welt, in der die Anleihekurse nicht mehr stetig steigen, wächst auch unser Vermögen langsamer. Das gilt jedoch für alle anderen Anlageformen genauso – außer für Kunstwerke und Waren, die nicht unter Inflation leiden.“ Zu den Waren, die traditionell nicht unter Inflation leiden, zählen heute wie in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Gold und Silber!

Silber: Nerventest für Investoren

Hubert Roos DER AKTIONÄR, 13. 5. 2004
Kaum haben Privatanleger die Edelmetalle entdeckt, werden sie von dramatischen Kursschwankungen geschüttelt und auf eine harte Probe gestellt. Jüngste Zeitungsartikel behaupten „Silber hat seinen Glanz vorerst verloren“ und verunsichern damit so manchen Neueinsteiger. Aber so ist das nun einmal, wenn man sich nicht mit den klassischen und gut eingeführten Investmentinstrumenten begnügt. Alle neuen Ansätze und Trends müssen ihre Bewährungsproben bestehen und Widerstände überwinden.

Die Milliardäre Bill Gates – Gründer von Microsoft, Investmentguru Warren Buffet und Börsenspekulant George Soros kennen dieses Spiel. Sie stiegen in den 90-er Jahren in Silber und Silberminen ein. Als die entsprechenden Nachrichten in der Finanzpresse auftauchten, war meist ein verständnisloser bis ironischer Unterton dabei. Zu einer Zeit, als das High-Tech-Fieber und die Aktieneuphorie schon viele Kleinanleger angesteckt hatten, waren viele Finanzjournalisten und Marktkommentatoren ratlos. Sie konnten die Geschäfte der drei Superreichen nicht einordnen. Heute vergeht kaum ein Tag oder eine Woche, ohne dass Edelmetalle in den Schlagzeilen stehen.

Dabei war vielen Geldanlegern lange Zeit nicht bewusst, dass Edelmetalle überhaupt eine Anlagekategorie darstellen. In einer über 20 Jahre dauernden Phase, in der Papiervermögen einen stetigen Aufstieg erlebte, haben viele gestandene Investoren vergessen, dass es auch reale Vermögenswerte gibt. Die jungen Investoren sind mit den greifbaren Werten Gold und Silber normalerweise noch gar nicht in Berührung gekommen: sie waren glücklich und zufrieden mit Aktien, Anleihen und Investmentfonds. Der Grund hierfür lag zu einem großen Teil darin, dass mit Beginn der 90-er Jahre US-Notenbankchef Alan Greenspan die Philosophie des knappen Geldes über Bord warf und eine lockere Geldpolitik einleitete.

Während der Rezession 1991 fuhr Greenspan die Zinsen aus dem zweistelligen Bereich in den niedrigen einstelligen Bereich herunter. Bis auf kurzfristige und moderate Anhebungen blieben die Zinsen während der gesamten Regierungszeit von Präsident Bill Clinton auf relativ niedrigem Niveau, womit die Bühne bereitet war für die große Aktienblase. Die Geldmenge wurde schnell und großzügig ausgeweitet und floss ebenso schnell und großzügig in Internet-, Hightech-, und Biotech-Aktien. Das Überangebot an Geld nährte die Finanzmärkte, ließ die Aktienkurse in den Himmel schießen und brachte für eine paar Jahre astronomische Renditen.

Politiker, Finanzexperten der Wall Street und Investoren mussten aber erkennen, dass es nicht immer nur aufwärts geht, sondern dass es noch Konjunkturzyklen und Wirtschaftskrisen mit steilen Abwärtspassagen gibt. Trotzdem handelte die amerikanische Notenbank nach dem alten Patentrezept. Sie reduzierte die Zinsen auf historische Tiefstände und ließ die Gelddruckmaschinen auf vollen Touren laufen. Diesmal bildeten sich Blasen am Anleihemarkt, am Immobilienmarkt und am Hypothekenmarkt.

Das Problem dabei ist nur, dass mit zunehmender Geldmenge der Wert des bereits vorhandenen Geldes abnimmt, wenn nicht in gleichem Maße wie die Geldmenge wächst auch entsprechende Güter produziert und Dienstleistungen erbracht werden. Wenn man die offiziellen Statistiken betrachtet, könnte man annehmen, dass die enormen Geldmengen durch entsprechende Leistungen abgedeckt sind. Jedoch ist bei Zahlen aus der Vergangenheit und bei Zukunftsprognosen Vorsicht geboten.

Seit 1992 konnten die Vereinigten Staaten von Amerika ein um durchschnittlich 2%-Punkte höheres Wachstum als Euroland und Japan ausweisen. Rückblickend darf man die eindrucksvolle Stärke der US-Wirtschaft bezweifeln. Viele Zahlen wurden im nachhinein von den Statistiker kräftig nach unten revidiert. Das amerikanische Arbeitsministerium musste zugeben, dass die Produktivität in den Jahren 1997 bis 2000 um mehr als 0,5% weniger gewachsen war als ursprünglich angegeben.

Um weitere 0,5%-Punkte niedriger wären die US-Wachstumszahlen ausgefallen, wenn bei der Berechnung des Wachstums im EDV-Bereich die gleiche Systematik wie in Europa verwendet worden wäre. Für das gegenwärtige und zukünftige Wachstumspotenzial sind ebenfalls vorsichtige Schätzungen angebracht, denn der angebliche Wachstumsvorsprung der Vereinigten Staaten resultiert hauptsächlich aus Militärausgaben für den Irakkrieg und aus Konsumausgaben der Verbraucher, die dank Greenspan günstige Kredite für den Auto- und Immobilienkauf aufnehmen konnten.

Durch die von der Notenbank Anfang der 90-er Jahre eingeleitete expansive Geldpolitik wurde letztendlich der Grundstein gelegt für den steilen Aufstieg der Aktien und deren tiefen Fall zu Beginn des neuen Jahrtausends. Gleichzeitig war dies die Basis für den sich nun anschließenden Bullenmarkt bei Rohstoffen und Edelmetallen. Auch wenn für die Mehrzahl der Privatanleger Ende der Neunziger noch nicht ersichtlich war, weshalb die drei Superreichen Gates, Buffett und Soros in Silber einstiegen, ist es heute noch nicht zu spät, es Ihnen gleich zu tun.

Die jüngste Korrektur des Silberpreises ist nichts anderes, als eine günstige Einstiegschance. Die Fundamentaldaten haben sich nicht geändert, die Angebots- und Nachfragesituation ist die gleiche wie vor der Preiskorrektur. Nachdem der Silberchart vor der Korrektur fast schon wie der Aufstieg Edmund Hilarys auf den Mount Everest aussah, notiert das weiße Metall nun wieder in niedrigeren Regionen, von wo aus neue Höhen erklommen werden können.

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